Wirtschaft : Maschinenbau: Solide Anlagen

Tobias Symanski

Wegen der Schwäche im Technologiesektor und der angespannten Lage am Neuen Markt sehnten sich die Anleger in den vergangenen Monaten vor allem nach einem: Stabilität. Deswegen gehörten Werte aus der Old Economy zu den Rennern des ersten Halbjahres, vor allem auch solide Werte aus dem Maschinenbau. Doch auch der Maschinenbau bekommt jetzt die schwache Weltkonjunktur zu spüren. Wegen eines Einbruchs bei den Auftragseingängen im zweiten Quartal hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) in dieser Woche seine Wachstumsprognosen gesenkt. Dem Verband zufolge waren die Aufträge im Juni um neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Insgesamt wird die Branche in diesem Jahr wohl nur um drei statt bisher fünf Prozent wachsen. Das sind Raten, die bestimmte Unternehmen aus dem Spezialmaschinenbau auch in diesem Jahr locker übertreffen werden.

"Der Maschinenbau ist eine extrem heterogene Branche, die Entwicklung in den einzelnen Fachzweigen kann völlig unterschiedlich verlaufen", sagt Harald Rehmet, Maschinenbauexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Ein zyklischer Vertreter sei zum Beispiel die Walter AG, die Hartmetallwerkzeuge und Werkzeugschleifmaschinen herstellt und am 6. August ihre Halbjahreszahlen bekannt geben wird. "Das Werkzeuggeschäft ist sehr stark von der Konjunktur abhängig", sagt Rehmet. Das zeigen vor allem die Zahlen von Januar bis März 2001. Walter legte bei den Auftragseingängen 40 und beim Umsatz knapp 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Doch konnte das Tempo nicht gehalten werden. Auf der Hauptversammlung im Juli kündigte der Vorstandsvorsitzende der Walter AG, Franco Mambretti, nur 13 Prozent mehr Aufträge im ersten Halbjahr an, denn das zweite Quartal hatte unter den konjunkturellen Schwankungen gelitten. Trotzdem bleibt Walter für das Gesamtjahr optimistisch: 300 Millionen Euro Umsatz (plus zwölf Prozent), 40 statt bisher geplanter 37 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit). "Mutig", findet LBBW-Analyst Rehmet, aber durchaus machbar.

Neue Zahlen gibt es in der kommenden Woche auch von Dürr. Der Spezialist für Lackieranlagen unterliegt dem Zyklus der Automobilindustrie. Obwohl sich die Konjunktur bei Autos schon seit dem vergangenen Jahr abkühlte, wird weiter stark im Produktionsbereich - zum Beispiel in effizientere Fertigungsverfahren - investiert. Dies deuteten bereits die ersten drei Monate von Dürr an: Die Auftragseingänge legten um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, der Auftragsbestand erreichte 1,1 Milliarden Euro (plus 40 Prozent). "Auch die Gewinndynamik bei Dürr ist in Ordnung, die Aktie ist aus heutiger Sicht als preiswert einzustufen", sagt Rehmet. Mit steigenden Kursen rechnet der Analyst in diesem Jahr jedoch nicht mehr.

Für eine deutlich positive Überraschung im Hitzemonat August sorgte bereits die bayerische Krones AG. Nachdem der Hersteller von Getränkeabfüllanlagen seine Halbjahreszahlen präsentierte, legten die im M-Dax notierten Vorzugsaktien um über sechs Prozent zu. Denn der Umsatz konnte um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert werden, der Gewinn kletterte um 33 Prozent auf runde 25 Millionen Euro an. Der aktuelle Auftragsbestand sichert für das Geschäftsjahr 2001 bereits zweistellige Zuwachsraten. Die WestLB stuft Krones mit einem Kursziel von 48 Euro als "Outperformer" ein, erwartet also eine bessere Entwicklung als der Gesamtmarkt.

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