Wirtschaft : Maschinenbau warnt vor Ingenieurlücke

Massiver Stellenabbau hat den Nachwuchs verschreckt / Auftakt der Hannover Messe HANNOVER (dpa).Die deutsche Industrie kommt angesichts guter Bilanzen, hoher Gewinne und positiver Konjunkturprognosen mit viel Optimismus zur diesjährigen 51.Hannover Messe.Nach Jahren des Beschäftigungsabbaus sollen endlich wieder neue Stellen geschaffen werden.Doch fraglich ist, ob all diese Arbeitsplätze mit ausreichend qualifizierten Fachkräften besetzt werden können.Pünktlich zur weltgrößten Industriemesse läutet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) die Alarmglocken.Wenn jetzt nicht gegengesteuert werde, drohe der deutschen Industrie schon in wenigen Jahren eine Ingenieurlücke, sagte VDMA-Vizepräsident Eberhard Reuther anläßlich der Messe, die am Sonntag abend durch EU-Präsident Jacques Santer eröffnet wurde und bis Sonnabend dauert.Erwartet werden etwa 300 000 Besucher aus rund 100 Ländern.Die Messe gilt als größte Industrieschau der Welt.Partnerland sind in diesem Jahr die Philippinen, die mit über 70 Firmen vertreten sind.Diesjährige Schwerpunkte bilden die Fördertechnik, Robotik, Automation sowie Elektro- und Umwelttechnik. Nicht nur in der Computerindustrie, wo der Mangel so akut ist, daß schon jetzt zahlreiche Stellen unbesetzt bleiben, sondern in allen Industriebereichen gebe es nicht genug Ingenieurnachwuchs, sagt Reuther.Der Grund: Seit der "Ingenieurflut" Anfang der 90er Jahre, als viele Hochschulabsolventen keinen Job fanden, wollen immer weniger Abiturienten in die technischen Berufe.Das Statistische Bundesamt belegt den Trend: 1992 begannen 62 600 junge Menschen ein Ingenieurstudium, 1997 waren es nur 45 500.Doppelt soviele Schulabgänger wählten 1997 ein Studium der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Besonders schlimm sieht es ausgerechnet in zentralen Branchen wie dem Maschinenbau aus, wo die deutsche Industrie international bislang an der Weltspitze liegt.1990 begannen noch 16 000 Abiturienten ein Maschinenbaustudium, 1997 waren es nur noch halb so viel.Der VDMA will die notwendige Nachwuchswerbung auf der diesjährigen Industriemesse in Hannover zu einem zentralen Thema machen.Die Industrie soll selbst initiativ werden."Die Betriebe müssen sich mehr für Schulen und Universitäten öffnen.Die Schüler müssen in die Betriebe und Ingenieure in die Schulen gehen", fordert Reuther.Offenbar gibt es mehrere Ursachen für das Desinteresse vieler Jugendlicher an technischen Berufen: Der Verband der Ingenieure (VDI) verweist darauf, daß die erst wenige Jahre zurückliegenden Probleme junger Ingenieure bei der Jobsuche noch in guter Erinnerung seien.VDMA-Vize Reuther verweist auf das völlig veraltete Image des Ingenieurberufes."Maschinenbau wird noch immer nur mit einzelnen Branchen wie der Stahlindustrie verbunden.Dabei ist der Maschinenbau Grundlage jeder Produktion und an allen industriellen Innovationen beteiligt, ob bei neuen Werkstoffen und auch der Gentechnik." Hinzu kommen völlig neue Anforderungen an den Ingenieurberuf.Somit müssen auch die Hochschulen die Ausbildung ändern.Die deutsche Industrie könne im Zuge des wachsenden Wettbewerbs auf dem Weltmarkt ihre Produkte nur verkaufen, "wenn sie dazu auch gute Dienstleistungen anbietet.Und dafür brauchen wir entsprechend ausgebildete Ingenieure."

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