Wirtschaft : Maschinenbauer verdoppeln Prognose

Produktion steigt 2006 auf 158 Milliarden Euro

Frankfurt am Main - Die Geschäfte im deutschen Maschinenbau laufen auf Rekordniveau und werden auch 2007 florieren. 2006 wird die Produktion nach Angaben von Dieter Brucklacher, Präsident des Branchenverbandes VDMA, um sieben Prozent auf den Rekordwert von rund 158 Milliarden Euro steigen, 2007 soll es noch einmal mit vier Prozent nach oben gehen. Auch beim VDMA befürchtet man durch die Mehrwertsteueranhebung mittlerweile nur eine vorübergehende Konjunkturdelle, die im Laufe des nächsten Jahres mehr als ausgeglichen werde. Dies hat auch deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: In diesem Jahr sind im Maschinenbau rund 15 000 neue Arbeitsplätze entstanden, 2007 werden, so Brucklacher, weitere 5000 bis 10 000 dazukommen.

Mit der am Mittwoch in Frankfurt präsentierten Einschätzung korrigieren die Maschinenbauer ihre Prognose vom Sommer nach oben: Damals hatten sie für das laufende Jahr mit einem Produktionsplus von fünf Prozent und für 2007 von mindestens zwei Prozent gerechnet. Vor allem im Exportgeschäft profitiert die Branche von der gestiegenen Nachfrage der Erdöl exportierenden Länder. Dort investieren Ölfirmen in Raffinerien und Anlagetechnik aus Deutschland. In Asien und Osteuropa sind hingegen vor allem Baumaschinen gefragt. „Der Maschinenbau ist eine absolute Vorzeigebranche, weil er innovativ ist und in der Welt eine herausragende Wettbewerbsposition hat“, sagte der Analyst Christoph Partitsch von der Dresdner Bank / Allianz-Gruppe. Rund 40 000 Stellen habe die Branche in den letzten zehn Jahren im Ausland geschaffen, um vor Ort mit Serviceleistungen präsent zu sein.

Nicht nur das Auslandsgeschäft läuft mit einem Auftragsplus von Januar bis Oktober von 14 Prozent weiter rund. Auch im Inland ist der Aufschwung mittlerweile zu spüren: Seit Jahresanfang legten die Bestellungen um 21 Prozent zu. „Wir hatten zwar mit Wachstum gerechnet. Eine solche Dynamik hatten wir aber nicht erwartet“, räumte Brucklacher ein.

Mit der Abarbeitung der vorliegenden Aufträge werden die Unternehmen laut VDMA bis Mitte 2007 beschäftigt sein, die Auftragsreichweite ist damit so groß wie selten zuvor. Die Anlagen sind derzeit zu 90 Prozent ausgelastet, bei einigen Unternehmen gibt es Produktionsengpässe, weil Anlagen, aber auch Fachkräfte fehlen und weil es mitunter Probleme bei den Zulieferern gibt. Brucklacher schließt nicht aus, dass einzelne Firmen sogar Aufträge ablehnen müssen. „In der Regel aber gibt es längere Lieferzeiten.“

2007 soll sich die Situation aber etwas entspannen, weil dann mittlerweile begonnene neue Produktionsanlagen fertiggestellt und weitere Mitarbeiter dazugekommen sein werden. Derzeit sind im deutschen Maschinenbau rund 880 000 Mitarbeiter beschäftigt.

Brucklacher sieht im nächsten Jahr durchaus auch Risiken, unter anderem wegen möglicherweise weiter steigender Rohstoffpreise und eines weiteren Dollar-Verfalls. Vor allem aber sorge ihn die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Brucklacher warnt vehement vor einem „kräftigen Schluck aus der Pulle“. Die Tarifparteien müssten Kurs halten, der Gewinn an Wettbewerbsfähigkeit, der in den letzten Jahren auch dank moderater Lohnabschlüsse erreicht worden sei, dürfe nicht wieder verspielt werden. Brucklacher plädierte für „einen sehr moderaten tabellenwirksamen Abschluss“, ergänzt durch eine variable Einmalzahlung, „die im Durchschnitt höher ausfallen darf als im letzten Jahr.“ In diesem Jahr hatten sich die Tarifpartner in der Metall- und Elektroindustrie auf eine Lohn- und Gehaltserhöhung um 3,0 Prozent und auf eine Einmalzahlung je nach Betrieb von bis zu 620 Euro geeinigt. Rolf Obertreis / dpa

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