Wirtschaft : Maschinenbauer wachsen kräftig

Verband hebt Prognose an/Aber der Ölpreis erreicht Allzeithoch und beunruhigt die EZB

Bernd Hops

Berlin - Die Maschinenbauer in Deutschland verzeichnen einen starken Anstieg ihrer Produktion – und blicken optimistisch auf das kommende Jahr. „Der deutsche Maschinenbau erholt sich auf breiter Front“, sagte Diether Klingelnberg, der Präsident des Verbands deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), am Donnerstag in Düsseldorf. 2004 rechne die Branche jetzt mit fünf Prozent Wachstum, im Juni hatte der VDMA noch vier Prozent prognostiziert.

Die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank erwarten wiederum, dass sich die Wirtschaft in Europa weiter erholen wird. Es bleibe bei der Prognose, dass in diesem Jahr zwei Prozent Wachstum erreicht würden. Allerdings könne der Ölpreis, sollte er so hoch bleiben wie zurzeit, das Wachstum dämpfen.

Und die Ölnotierungen sind erneut gestiegen. Nachdem in New York der Preis für ein Barrel (159 Liter) am Mittwochmorgen noch deutlich unter 52 Dollar gefallen war, stieg er am Donnerstag auf 54,88 Dollar – ein Allzeithoch. Die Organisation Erdöl exportierender Länder erwartet weiter steigende Preise, weil die Nachfrage im Winter in Europa und den USA zunimmt. Außerdem teilte China mit, in den ersten neun Monaten des Jahres sei die Öleinfuhr um 34,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Unter den Nachrichten litten die Börsen. Der Dax verlor bis zum Abend rund 0,9 Prozent. Der Dow Jones fiel unter die Marke von 10000 Punkten.

Der VDMA rechne zwar im kommenden Jahr mit einer leichten Abschwächung der internationalen Konjunkturerholung und damit des Exports. Doch sei immer noch ein Wachstum von drei Prozent bei der Maschinenproduktion zu erwarten, sagte VDMA-Präsident Klingelnberg. Dabei werde auch der hohe Ölpreis helfen, denn die Exportländer würden dank der gestiegenen Einnahmen in modernere Anlagen investieren. Und: Gegen ein plötzliches Abreißen der konjunkturellen Erholung in Deutschland spreche, dass es „nach langer Konsum- und Investionskrise ein gehöriges Maß an aufgestauter Nachfrage geben dürfte“.

Klingelnberg sagte, Ende 2005 werde wahrscheinlich – auch auf Grund voller Auftragsbücher – ein neuer Produktionsrekord erreicht. Laut Verbandsangaben soll der Wert der hergestellten Maschinen im kommenden Jahr erstmals die Marke von 140 Milliarden Euro überspringen. Das Wachstum schlage sich positiv bei der Beschäftigung nieder. Der Trend, dass Arbeitsplätze abgebaut würden, sei zum Stillstand gekommen. Für das kommende Jahr sei aber nicht mit einem wesentlichen Stellenzuwachs zu rechnen, sagte der VDMA-Präsident. Er forderte erneut von der Regierung, das Steuersystem zu reformieren. Dies sei das zentrale Problem für den Standort Deutschland. Gleichzeitig müssten die Subventionen – 2003 seien 150 Milliarden Euro gezahlt worden – stark reduziert werden. Außerdem sollte das Arbeitszeitgesetz abgeschafft und der Kündigungsschutz gelockert werden. Das gebe Anreize für Neueinstellungen. Schließlich seien dringend Bildungsreformen notwendig. „Wir haben genügend Lehrstellen, aber nicht genug qualifizierte Schulabgänger“, sagte Klingelnberg.

Gesamtmetall, die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie, wiederum wies am Donnerstag darauf hin, dass auch Auslandsinvestitionen wichtig zur Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland und zur Stärkung der Branche seien. Bei der Vorstellung einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kündigte Verbandspräsident Martin Kannegiesser an: „Wir werden auch in Zukunft den Prozess der Auslandsinvestition vorantreiben, um in Deutschland stark zu bleiben.“ Damit trat er der These entgegen, ein Ausbau ausländischer Produktionsstandorte schade dem Inland. Wertschöpfung und Arbeitsplätze würden vielmehr gestärkt.

Nach den IW-Erhebungen waren deutsche Metall- und Elektrounternehmen Ende 2002 im Ausland an etwa 4000 Betrieben mit 1,2 Millionen Beschäftigten beteiligt. Sie erzielten dort 514 Milliarden Euro Umsatz, fast dreimal so viel wie 1995. „Ohne die importierten Zulieferungen könnten wir angesichts hoher Produktionskosten im Inland gar nicht mehr über die Runden kommen“, betonte Kannegiesser. Die These von einer „Basar-Ökonomie“, die nur noch vom Handel, statt vom Entwickeln und Produzieren lebt, sei dennoch „Unsinn“. mit HB

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben