• Maschinenbauer wollen weiter Personal abbauen Branche rechnet vorerst nicht mit einem Aufschwung in Deutschland

Wirtschaft : Maschinenbauer wollen weiter Personal abbauen Branche rechnet vorerst nicht mit einem Aufschwung in Deutschland

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Berlin (lan). Der Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) hat seine Prognose für das Gesamtjahr zurückgenommen. „Wir gehen von einem Umsatzrückgang von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr aus“, sagte Verbandspräsident Diether Klingelnberg am Donnerstag in Berlin. „Vorher haben wir mit einer „schwarzen Null“ gerechnet.“ Bis zum Jahresende erwartet der VDMA einen Verlust von weiteren 10000 Arbeitsplätzen. Bereits im ersten Halbjahr 2003 waren 20000 Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen. Ende des Jahres werden vermutlich noch 875000 Personen in der beschäftigungsintensivsten deutschen Industriebranche arbeiten.

Positiv überrascht zeigte sich Klingelnberg über die Statistik im Juli, als die deutschen Maschinenbauer zehn Prozent mehr Aufträge bekamen als im Vorjahresmonat. Das Inlandsgeschäft habe dabei um neun Prozent zugenommen. „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagte er. Er begründete den Zuwachs mit einigen Großaufträgen und nach hinten verschobenen Sommerferien.

Arbeitsplätze gibt es - im Ausland

Trotz des guten Ergebnisses im Juli ergab sich im Drei-Monats-Vergleich ein Minus von einem Prozent. Der Umsatz blieb in der ersten Jahreshälfte mit 62,1 Milliarden Euro um zwei Prozent hinter den Vorjahreszahlen zurück. Auch im kommenden Jahr rechnet der Verband nicht mit einem Aufschwung in Deutschland. Der Verbandspräsident warnte, die Produktion in der Maschinenbauindustrie würde ins Ausland verlagert. Der deutsche Maschinenbau sei weiterhin ein guter Arbeitgeber, jedoch - so der Verbandspräsident - immer weniger in Deutschland. Bereits 50 Prozent der Mitglieder des VDMA würden darüber nachdenken, in Deutschland abzubauen.

In diesem Zusammenhang übte Klingelnberg Kritik an der Bundesregierung und der Opposition. „Jetzt ist nicht die Zeit für taktische Spielchen“, sagte Klingelnberg. „Ob Regierung oder Opposition - beide Seiten senden jeden Tag ein Signal aus: Deutschland ist nicht reformfähig.“ Dies sei das größte Standortrisiko für die Wirtschaft in Deutschland. „Das Investitionsklima in Deutschland ist schlecht, die steuerliche Situation chaotisch“, sagte er. „Bei den Kostenlawinen fragt sich natürlich jeder Unternehmer, ob er nicht ins Ausland geht.“ Klingelnberg forderte, das Steuerchaos zu beenden, damit investiert würde und Arbeitsplätze entstehen. Auch die Opposition müsse konstruktive Vorschläge machen.

Der VDMA rechnet nach einem vorübergehenden Rückgang des Euro-Kurses auf 1,00 bis 1,05 Dollar bis Ende dieses Jahres wieder mit einem Anstieg auf bis zu 1,25 Dollar. Er rief die Firmen deshalb auf, sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern. „Wenn der Euro langfristig hoch ist, wird es problematisch.“ Kurzfristige Schwankungen würden die Maschinenbauer in ihren Exportgeschäften nicht weiter treffen.

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