Masdar City : „Unser Projekt ist einmalig auf der Welt“

Sultan Ahmed Al Jaber, Chef der Masdar Gruppe, über Rohstoffe und die grüne Stadt in Abu Dhabi.

Merkel (CDU) ließ sich Ende Mai durch erste Gebäude von Masdar City führen. Hier steht sie vor einem Modell der Stadt, die in der Nähe von Abu Dhabi entsteht. Sie soll ihre Energie einmal zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen beziehen. Foto: AFP
Merkel (CDU) ließ sich Ende Mai durch erste Gebäude von Masdar City führen. Hier steht sie vor einem Modell der Stadt, die in der...

Herr Al Jaber, Sie sind dabei, die angeblich energieeffizienteste Stadt der Welt zu bauen. Wie kommen Sie voran, wann werden Sie fertig?

Es läuft sehr gut. Aber wir werden nie fertig werden. Masdar ist eine langfristige Angelegenheit auf auf einem Feld, das sich noch entwickelt. Egal, wie schnell wir die Dinge vorantreiben, es wird immer neue Erfindungen geben, die in Masdar aufgehen können. So etwas wie Masdar gab es noch nicht, insofern kann auch niemand sagen, wie genau es umgesetzt wird und was es kosten wird.

Zuletzt gab es aber Gerüchte, dass Masdar City finanzielle Probleme im Zuge der Finanzkrise hatte.

Die hat sich natürlich ausgewirkt. Aber die Finanzkrise war die geringste meiner Sorgen. Der Masdar-City-Plan musste überholt werden, aber der Masterplan steht. Und die Erfahrungen, die wir bisher mit dem Projekt gesammelt haben, helfen uns nicht nur bei der weiteren Planung, sondern auch bei der ganz konkreten Umsetzung, deren Ergebnisse wir jetzt schon sehen. Als JFK sagte, er wolle einen Mann innerhalb von zehn Jahren zum Mond schicken, war dieser Plan auch nicht in Stein gemeißelt, er wurde immer wieder überholt.

Was haben Sie bisher konkret erreicht?

Die grobe Infrastruktur steht: Ein Kraftwerk, diverse Demonstrationsprojekte und das neue Masdar Institute of Science and Technology, in einem der mit Abstand energieeffizientesten Gebäude überhaupt. Dessen Bau dauerte acht Monate länger als geplant, aber es steht jetzt. Selbst im Hochsommer vergessen Sie darin, wie heiß es ist.

In Deutschland gibt es auch Gebäude, die praktisch ohne Energie auskommen.

Das mag sein, aber Masdar City ist einzigartig in der Welt, auch wegen der Menschen, die in den Laboren darin forschen. Niemand außer uns hat bisher so ein Projekt realisiert. Die Summe der Erfahrungen, die wir dort bisher gesammelt haben, ist für uns von größtem Wert. Es gibt uns ein Gefühl dafür, wie herausfordernd, komplex und teuer so etwas ist.

Im Prinzip nehmen Sie das Geld aus der Ölindustrie und stecken es in erneuerbare Energien.

So kann man das nicht sehen. Wir sind ja noch dabei, unsere Wirtschaft breiter aufzustellen. Wir verdienen unser Geld nicht nur mit Öl und Gas – obwohl die Einnahmen daraus natürlich den größten Beitrag leisten.

Wie hoch ist denn dieser Beitrag?

Unsere Regierung, die absolut hinter dem Projekt steht, hat rund 15 Milliarden Dollar bereitgestellt für Kooperationen und Joint Ventures und Projektfinanzierung. Aber auch private Kapitalgeber wie die Deutsche Bank sind beteiligt. Masdar ist ja nicht nur die Stadt, sondern betreibt auch Wagniskapitalfonds, Kraftwerke und vieles mehr.

Die Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten fahren Geländewagen, haben Klimaanlagen, es gibt überdachte Skipisten. Wie wollen Sie Ihre Landsleute vom Energiesparen überzeugen?

Die Lösung liegt beim Management der Nachfrageseite. Die müssen wir zunächst reduzieren. Da geht es um Energiesparen und Effizienz. Da kommt man mit der heute verfügbaren Technologie aber kaum weiter. Nur wenn Forscher und Ingenieure neue Technologien in Orten wie Masdar erproben können, werden wir einen Fortschritt sehen.

Planen Sie, diese Idee in andere Länder zu exportieren?

Noch ist Masdar ein Projekt, das am staatlichen Tropf hängt. Aber wir wollen es kommerziell erfolgreich machen, um es zu vermarkten. Denn wenn man damit kein Geld verdienen könnte, würde es niemandem in der Welt helfen.

Wann sind Sie so weit?

Das dauert wohl noch zehn Jahre, bis wir das Know-how erreicht haben, das man braucht, um Masdar City irgendwo auf der Welt nachbauen zu können. Aber China, Korea und die Vereinigten Staaten zeigen sich schon heute sehr interessiert. Die Welt sollte uns unterstützen, weil sie davon profitiert.

Also wollen Sie die Welt retten?

Nein. Wir sind keine Nichtregierungsorganisation, wir sind Geschäftsleute. Wir wollen letztlich Geld verdienen. Aber nur so setzt sich die Idee auch durch.

Das Interview führten Carsten Brönstrup und Kevin P. Hoffmann.

Der Ingenieur und Ökonom Sultan Al Jaber ist Chef bei Masdar, Staatssekretär im Außenamt der Vereinigten Arabischen Emirate und Mitglied der UN-Beratergruppe für Klimawandel.

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