Massenentlassungen : Bleibt in England der Bildschirm schwarz?

Die britische Rundfunkanstalt BBC will 2500 Stellen streichen und ihre Londoner Fernsehzentrale verkaufen. Die Gewerkschaften drohen mit massiven Streiks, Kommentatoren sprachen von einem "schwarzen Tag" für den Sender.

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Kommen und gehen. Bei der BBC stehen massive Umwälzungen bevor. -Foto: AFP

LondonEr wolle eine "kleinere, schlagkräftigere BBC", sagte Mark Thompson, der Generaldirektor des Senders,  in London. Der Sparplan war bereits am Mittwochabend vom BBC-Aufsichtsrat gebilligt worden. Thompson hatte dem Gremium in der Sitzung seine Ideen vorgestellt, um das Defizit der BBC von zwei Milliarden Pfund (2,8 Milliarden Euro) auszugleichen.

Das Defizit hatte sich im Januar aufgetan, als die britische Regierung die Höhe der öffentlichen Zahlungen für die BBC bis zum Haushaltsjahr 2012/13 bekanntgab. In dem Fahrplan ist vorgesehen, dass die Steigerung der Rundfunkgebühren unterhalb der Inflation liegen soll. In den kommenden sechs Jahren sollen daher formal 2500 Arbeitsplätze gestrichen werden, erläuterte Thompson. Aber durch die Schaffung einiger neuer Stellen und durch "natürliche Fluktuation" ergebe sich unter dem Strich die Streichung von 1800 Jobs.

Großer Einschnitt in der Berichterstattung

Rund 400 Stellen werden in den BBC-Nachrichtenabteilungen wegfallen, weitere 600 in den Bereichen Dokumentation und 500 in der regionalen Berichterstattung. Insgesamt ist das Fernsehen den Angaben zufolge stärker betroffen als das Radio. Außerdem soll der Sitz des Senders im Westen Londons veräußert werden. In der Vergangenheit war bei der BBC bereits mehrfach radikal der Rotstift angelegt worden.

Die britischen Journalisten-Gewerkschaften hatten bereits am Vortag mit Streiks gedroht, sollte die BBC mit den Stellenstreichungen Ernst machen. "Wenn sie ihren Plan umsetzen, dann ist ein Streik zu hundert Prozent sicher", sagte der Vorsitzende der Rundfunk-Gewerkschaft Bectu, Gerry Morrissey, im Fernsehsender BBC News. Am Nachmittag wollten die Gewerkschaften bei einem Gipfel-Treffen ihr weiteres Vorgehen beraten.

"Es geht um unsere Zukunft und darum, fantastische Chancen zu ergreifen", verteidigte hingegen Thompson die Maßnahmen. Statt eines "mittelmäßigen Outputs" sollten weniger Sendungen mit mehr Qualität ausgestrahlt werden. In die Programme nach 22.30 Uhr werde weniger investiert, kündigte der Generaldirektor an. Thompson will dafür mehr "wegweisende" Fernsehsendungen wie "Planet Earth" produzieren lassen.

BBC plant gemeinsamen Newsroom für alle Medien

Mit neuen Initiativen will die BBC mehr Kinder und Jugendliche erreichen, sagte der Senderchef weiter. Unter anderem ist ein "Integrierter Multimedia Newsroom" mit Fernsehen, Radio und Online-Redaktion geplant. Neue Jobs sollen im interaktiven Bereich entstehen. "Das bedeutet aber nicht, dass wir unser Engagement für unsere Hauptzielgruppe verringern", betonte Thompson.

Die British Broadcasting Corporation (BBC) ist weltweit die größte öffentlich-rechtliche Sendeanstalt und beschäftigt derzeit mehr als 23.000 Mitarbeiter rund um den Globus. (fsu mit dpa, AFP)

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