Massentierhaltung : Kommt jetzt endlich ein staatliches Tierwohl-Siegel?

Agrarminister Christian Schmidt arbeitet an einem neuen Label. Zur Grünen Woche soll es fertig sein.

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Ziemlich eng hier. Dabei lebt dieses Schwein in einem Betrieb, der der Initiative "Tierwohl" angehört.
Ziemlich eng hier. Dabei lebt dieses Schwein in einem Betrieb, der der Initiative "Tierwohl" angehört.Foto: dpa

Jahrelang hatte sich Bundesagrarminister Christian Schmidt gegen ein staatliches Tierwohl-Label gewehrt, jetzt hat der CSU-Politiker seine Meinung geändert. „Der Verbraucher soll verlässlich wissen, dass mit dem, was er bezahlt, ein höherer Tierwohl-Standard umgesetzt wird“, sagte Schmidt am Montag – etwa mehr Platz im Stall, Stroh am Boden oder Spielzeug für Schweine. Details will der Minister auf der Grünen Woche im Januar vorstellen.

Nach dem Bio-Siegel ein Tierwohl-Label?

Bisher gibt es zwar ein Siegel für Bio-Produkte, aber kein staatliches Label für das Tierwohl. Schmidt hatte in der Vergangenheit stattdessen auf das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes sowie die „Initiative Tierwohl“ verwiesen.

Welche Initiativen es jetzt schon gibt

Das Tierschutzlabel kennzeichnet Hühner- und Schweinefleisch von Betrieben, die den Tieren bessere Aufzuchtbedingungen und eine sanftere Schlachtung garantieren. Bei der „Initiative Tierwohl“ zahlen Supermarktketten wie Aldi, Edeka, Kaufland, Kaiser’s, Lidl oder Rewe von jedem verkauften Kilo Schweine- und Geflügelfleisch vier Cents an einen Fonds. Der Fonds unterstützt Landwirte, die das Wohl ihrer Tiere über die gesetzlichen Vorgaben hinaus fördern. 85 Millionen Euro kommen so im Jahr zusammen, über 2200 Schweinemäster oder -aufzuchtbetriebe sowie 927 Geflügelhalter machen bei der Initiative mit. Weitere 2300 Schweinehalter würden das gern ebenfalls tun, wenn der Fonds genug Mittel hätte. Sie stehen auf der Warteliste.

Krach bei der Tierwohlinitiative

Nachdem der Tierschutzbund und die „Initiative Tierwohl“ lang zusammengearbeitet haben, ist der Tierschutzbund jetzt aus dem Beraterkreis für die Initiative ausgeschieden. Einer der Gründe: die mangelnder Transparenz. Verbraucher können auf der Verpackung nicht erkennen, ob das Fleisch von tierwohlfreundlichen Bauern kommt oder nicht. Ein staatliches Tierschutzlabel würde der Tierschutzbund daher begrüßen. „Die Gesellschaft fordert mehr Tierschutz und eine Form der Lenkung und Transparenz im Regal“, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel, „die Zeit ist überreif für ein staatliches Label“. Die Tierschützer empfehlen ein dreistufiges Modell mit Basis-, Mittel- und Premiumstufe.

Dreistufenmodell geplant

Daran arbeitet das auch das Agrarministerium. Geplant sei ein Dreistufenmodell, sagte eine Sprecherin auf Anfrage, eine Basiskategorie für Fleisch von Tiere, deren Haltungsbedingungen über dem gesetzlichen Standard liegen, sowie ein oder zwei Premiumstufen mit noch strengeren Anforderungen. Derzeit definiert das Ministerium die genauen Bedingungen und arbeitet an der Organisation des Labels.

Immer wieder Skandale

In den vergangenen Tagen haben zahlreiche Skandale die Massentierhaltung wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte in der vergangenen Woche Studien vorgestellt, nach denen 40 Prozent der Mastschweine und 55 Prozent des Geflügels im Stall krank geworden sind und behandelt werden mussten. Die Tierschutzorganisation „Animal Rights Watch“ hatte Bilder von zwölf Schweine-, Puten- und Hühneranlagen veröffentlicht, auf denen tote oder sterbende Tiere zu sehen waren. Die Höfe gehörten sämtlichst bedeutenden Vertretern deutscher Landwirtschaftsverbände.

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