Mastercard-Chef Gebhard : „Bargeld ist unser größter Konkurrent“

Norbert Gebhard, Deutschland-Chef von Mastercard, über neue Überweisungsregeln in Europa und die Zukunft der EC-Karte.

Gebhard
Norbert Gebhard. -Foto: Promo

Herr Gebhard, im Januar ist die Sepa-Initiative gestartet. Das heißt, der Zahlungsverkehr in Europa wird vereinheitlicht. Was halten Sie davon?

Ich freue mich. Obwohl ich das schon witzig finde. Alle reden plötzlich von einem einheitlichen Zahlungsverkehr. Mastercard hat damit schon vor 15 Jahren begonnen und die Marke „Maestro“ auf den Markt gebracht. Gucken Sie mal auf Ihre EC-Karte. Wenn Sie damit im Ausland bezahlen, wird der Geldbetrag schon jetzt über Maestro abgerechnet, also über uns.

Und durch Sepa wird das Maestro-System ab sofort auch in Deutschland akzeptiert?

Stimmt.

Aber ruinieren Sie dann nicht das deutsche EC-System? Schließlich werden die beiden Marken EC und Maestro dann doch zu Konkurrenten?

Da sind Sie völlig auf dem Holzweg. Wir wollen, dass die nationalen Systeme, also auch das EC-System auf Ihrer Karte, bestehen bleiben. Für den Tante-Emma-Laden um die Ecke, der sich jahrelang auf EC eingestellt hat, wird auch dieses System in Zukunft das beste sein. Aber für internationale Händler könnte es interessant sein, auf Maestro umzusteigen, das stimmt. Endlich gibt es Wahlmöglichkeiten in Deutschland.

Haben Sie denn Angst vor Ihrem Konkurrenten Visa? Der hat ein Pendant zu Maestro herausgebracht, die V-Pay-Karte, die bald in Deutschland akzeptiert werden soll.

Die Konkurrenz zu Visa sehen wir sehr gelassen. Wir nehmen das ganz sportlich aus Sicht des Tabellenführers. Inzwischen gibt es mehr als 300 Millionen Maestro-Karten in Europa, das muss uns erst einmal einer nachmachen.

Wer ist damit Ihr größter Konkurrent?

Ganz eindeutig Bargeld. Drei Viertel aller Zahlungen werden in Deutschland immer noch mit Bargeld abgewickelt. Da ist doch auf den ersten Blick klar, wer unser Konkurrent ist.

Verglichen mit anderen Ländern, hängen die Deutschen sehr am Bargeld. Wie wollen Sie Tante Waltraut dazu bringen, dass sie beim Bäcker um die Ecke nicht mehr mit einem Fünf-Euro-Schein bezahlen soll, sondern mit einer Karte? Wobei der Bäcker die ja auch gar nicht akzeptieren würde.

Beide, Tante Waltraut und der Bäcker, müssen lernen, dass Bargeld viel zu teuer ist. Das Bargeld muss zur Bank gebracht werden, es muss dort gezählt und verwaltet werden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist Bargeld vollkommener Irrsinn.

Sie müssen zugeben, dass sich das erst einmal merkwürdig anhört. Glauben Sie denn, dass die Leute das verstehen werden?

Ich denke schon. Allein, wenn wieder etwas mit einem Geldtransport daneben geht, merkt man, dass Bargeld nicht nur teuer, sondern auch sehr unsicher ist.

Moment mal. Karten werden doch extrem oft gefälscht. In puncto Sicherheit können Karten doch eigentlich nicht punkten.

Doch, denn Inhaber einer Mastercard bekommen in der Regel ihr Geld zurück, falls es durch Karten- und Datenmissbrauch abhanden kommt und der Inhaber nicht selbst seine Sorgfaltspflicht verletzt hat. Wenn dagegen Bargeld verloren geht, bleibt es das in der Regel auch. Außerdem werden unsere Karten nach und nach mit einem EMV-Chip ausgestattet. Damit machen wir es Fälschern noch schwerer. Mittel- bis langfristig wird der EMV-Chip den Magnetstreifen ablösen. Dieser bleibt aber vorläufig auf der Karte, um die weltweite Akzeptanz sicherzustellen, bis alle Länder auf Chip umgestellt sind. Länder, die den Chip bereits voll eingeführt haben, verzeichnen einen deutlichen Rückgang von Betrugsfällen.

Wird es dann irgendwann kein Bargeld mehr geben?

Ich hoffe es inständig. Aber bis dahin wird es wohl noch ein wenig dauern. Wir können froh sein, wenn sich die Verhältnisse ändern und irgendwann 70 Prozent aller Zahlungen über eine Karte gehen und nur 30 Prozent in bar abgewickelt werden. Im Januar führen wir außerdem mit Mastercard Pay-Pass das kontaktlose Bezahlen in Deutschland ein, das funktioniert dann ohne PIN oder Unterschrift. Davon versprechen wir uns einen zusätzlichen Schub im Kampf gegen das Bargeld.

Wie sieht es denn bei Ihnen privat aus? Kommen Sie ohne Bargeld aus?

Meistens ja. Wenn Leute einen Blick in mein Portemonnaie werfen, kommen ihnen meistens die Tränen. Ich habe fast nie Geld dabei.

Und das klappt in Deutschland?

Nun, ich komme recht gut durch. Aber ich muss schon mal einige Taxis abklappern, bis ich eines finde, das meine Karte akzeptiert.

Mein Gott, wie umständlich.

Stimmt, aber es lohnt sich. Einmal hatte der Taxifahrer beim Einsteigen gesagt, dass er Karten akzeptieren würde. Wie so oft klappte es dann am Ende doch nicht. Er musste sich dann das Geld am nächsten Tag in meinem Büro abholen. Ich bin sozusagen in einer Anti-Bargeld-Mission unterwegs.

Das Gespräch führte Anne Hansen.

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