Wirtschaft : Matthies meint: Freiverkehr (Glosse)

Für uns Normalbürger besteht das Dasein bekanntlich aus drei Dimensionen wie ein Ikea-Regal: Breite, Höhe, Tiefe. Die vierte ist längst bekannt, aber nur für Experten zugänglich: der Börsenkurs. Er ist, was das Wurmloch für Captain Kirk war; Tor einer Parallelwelt voller Wunder, in der Zeit und Geld aufgehoben scheinen, in der Day-Trader dem Tick-Trading nachgehen, wenn sie nicht gerade ihr Depot shorten oder den Greenshoe ausüben. Die großen Nummern dort drüben heißen zum Beispiel Sanofi-Synthelab, Repsol und Singulus, und hier müsste jetzt Schluss sein, wäre da nicht die große Erklärerin. Beate Uhse! Einst eröffnete sie uns die Wunderwelt der Erotik, zeigte uns den Sinn von Strapskorsett und neunschwänziger Katze. Seit dem Börsengang ihres Unternehmens wirken die abstrakten Aktienkurse plötzlich volksnah, und das soeben versprochene Erotik-Pay-TV wird uns endlich zeigen, dass auch Bären und Bullen immer nur das eine wollen. Einige Fragen stehen noch offen: Ist Frau Uhse nun alter oder neuer Markt? Schafft sie es in den Euro Stoxx? Oder reicht es am Ende nur gerade noch für den Berliner Freiverkehr?

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