Wirtschaft : Maultaschen mit Starkbier

Das Umgehen der christlichen Fastenregeln hat Tradition

Julia Gebert

Schlanker werden, den Körper in Form bringen und der Seele etwas Gutes tun: So wird heutzutage für das Fasten geworben. Das Ziel etwa einer Fastenreise in den Harz ist körperliches Wohlbefinden – dagegen sollten beim christlichen Fasten ursprünglich die Leiden Jesu nachempfunden werden. Doch so leuchtend, wie es zunächst scheint, ist das fromme Vorbild nicht. Denn selbst im Kloster wurden die Vorschriften der Askese von findigen Mönchen umgangen.

Zumindest die Daten der Fastenzeit sind unverrückbar: An Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Enthaltsamkeit. Sie endet am Karsamstag. Die Sonntage sind ausgenommen. Doch mit den Vorschriften kann man es mehr oder weniger genau nehmen. Eigentlich war ab Aschermittwoch, dem die sündhafte Karnevalszeit vorausgeht, der Verzehr von Fleisch bis Ostern verboten. Die Fastenzeit begann mit dem Ende des „Carne vale“, der sinngemäß übersetzt Abschied vom Fleisch bedeutet. Doch wo es Vorschriften gibt, fanden sich immer Wege, sie zu umgehen. Sogar in den Klöstern: dort wurden die größten Köstlichkeiten wie Schokolade, Bier und schwäbische Maultaschen erfunden.

Ein bekanntes Beispiel ist das zur Fastenzeit von der Kirche erlaubte Starkbier. Die Erfindung des Bieres geht bis ins 17. Jahrhundert zurück, als die Paulaner-Mönche das kalorienreiche Getränk brauten, um die religiösen Gebote einzuhalten – denn Flüssiges, selbst mit 7,5 Prozent Alkoholgehalt, bricht das Fasten nicht. Das Paulaner-Bier ist auch heute noch unter dem Namen Salvator in vielen Supermärkten erhältlich.

Auch bei einem weiteren Genussmittel wurde eine großzügige Ausnahme gemacht: Dem strengen Verzicht zum Trotz ist Schokolade seit dem 16. Jahrhundert während der Fastenzeit erlaubt. Der Papst selbst genehmigte einigen Bischöfen aus Mexiko die Zubereitung von Speisen aus Kakaobohnen. Ein mexikanischer Priester hatte dem Kirchenoberhaupt ein Kakaobohnen-Getränk probieren lassen, das ungesüßt war und derart bitter schmeckte, dass der Papst mit verzogenem Gesicht erklärt haben soll: „Schokolade bricht das Fasten nicht.“ Im Lauf der Zeit wurde die Rezeptur bis hin zur heutigen Schokolade verfeinert, der die gegenwärtig Fastenden eher gezielt fern bleiben.

Bei der Kreation einer anderen Fastenspeise wurde der Papst allerdings nicht um Erlaubnis gefragt: Auch die schwäbische Maultasche ist ein leckeres Gericht, mit dem sich Verbote umgehen ließen. Die Idee dazu entstand während des Dreißigjährigen Krieges, als ein paar hungrigen Mönchen unverhofft ein leckeres Stück Fleisch zufiel. Da sie zur Fastenzeit nicht darauf verzichten wollten, verbargen sie es vermischt mit Gemüse in einer Nudeltasche.

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