Wirtschaft : Mauscheleien bei Mobilcom

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Berlin (vis/dpa). Die Aktionäre der Mobilcom AG haben dem Unternehmensgründer und Vorstandschef Gerhard Schmid die Entlastung verweigert. Auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Hamburg griff auch der Aufsichtsrat Schmid scharf an. Der Vorsitzende des Gremiums, Klaus Ripken, sagte, Schmid habe in mehreren Punkten gegen seine Sorgfaltspflicht im Rahmen des Aktienrechts verstoßen. Ripken berichtete über ein Gutachten des Wirtschaftsprüfers BDO, wonach Schmid es versäumt habe, den übrigen Vorstand ausreichend über ein umstrittenes Aktienoptionsprogramm zu informieren. Der Aufsichtsrat habe beschlossen, dass das Aktienoptionsprogramm innerhalb von sieben Tagen rückabgewickelt werden müsse.

Selten hatten die Aktionäre den Mobilcom-Gründer so kleinlaut gesehen. „Ich bedaure den Vorgang“, sagte Schmid vor den etwa 400 Aktionären. Forderungen von Aktionären, seinen Rückzug zu erklären, wies er jedoch zurück. Auf die Frage, ob auch im Aufsichtsrat über die Ablösung des Vorstandschefs gesprochen wurde, sagte Ripken, dies sei kontrovers diskutiert worden und fügte hinzu: „Der Aufsichtsrat ist mit seinen Beratungen noch nicht zu Ende.“

Die Mobilcom-Aktie ist am Donnerstag am Neuen Markt stark eingebrochen. Das Papier verlor 13,54 Prozent auf 14,94 Euro.

Das Aktienoptionsprogramm war schon lange ein Streitpunkt zwischen dem Mobilcom-Großaktionär France Télécom (28,5 Prozent der Anteile) und dem Vorstandschef Schmid. France Télécom hatte daher die Prüfung des Aktienoptionsprogramms veranlasst. In dem Programm geht es um 3,6 Millionen Anteilsscheine, mit denen Mobilcom Händler für neue Kunden belohnen wollte. Zwei Millionen Aktien kamen von der Millenium GmbH, die Schmids Ehefrau Sibylle Schmid-Sindram gehört. Mobilcom zahlte Millenium dafür laut Unternehmen eine Prämie von 68 Millionen Euro. Den Kernvorwurf der Franzosen, dass Schmid-Sindram ihre Aktien mit Mobilcom-Geld erworben habe und dass hier ein verbotenes Insidergeschäft vorliege, wird durch das Gutachten allerdings ausdrücklich nicht bestätigt. Abgesehen von der fehlenden Information sei das Geschäft in Ordnung.

Zum grundsätzlichen Streit mit dem französischen Großaktionär war es gekommen, weil sich Schmid und France Télécom nicht über die Höhe der Investitionen in den Ausbau des neuen UMTS-Mobilfunknetzes in Deutschland einigen konnten. Im März erklärte sich Schmid daher bereit, seine Mobilcom-Anteile (rund 40 Prozent) an eine Gruppe von Banken zu verkaufen. Die hochverschuldete France Télécom will die Anteile nämlich nicht selbst übernehmen, um die eigene Bilanz nicht zu belasten.

Es gebe Anzeichen für „Fortschritte bei der bilanzverträglichen Refinanzierung von Mobilcom bei France Télécom“, sagte Schmid den Aktionären. Auch auf Nachfragen wurde aber nicht klar, wann Schmid seine Anteile abgibt und ob die Kleinaktionäre eine Abfindung erhalten. Die mögliche Insolvenz seiner Firma ist für Schmid „nur eine theoretische Möglichkeit“. Er bestätigte jedoch, dass Mobilcom im Juli fällige Großkredite über 4,7 Milliarden Euro nur ablösen kann, wenn France Télécom dafür einsteht. Andernfalls muss Mobilcom in die Insolvenz.

Dass die Aktionäre – unter ihnen France Télécom – Schmid nicht entlastet haben, hat keine rechtlichen Folgen für den Vorstandschef. Es heißt nur, dass er nicht mehr das Vertrauen der Anteilseigner hat.

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