Wirtschaft : Mausklick statt Warteschlange

David C. Lerch
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Düsseldorf - Geschmäcker sind verschieden. Manch einer genießt den Einkaufsbummel mit anschließendem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, anderen graut es vor dem Trubel, oder ihnen fehlt die Zeit. Sie werfen sich lieber ins virtuelle Getümmel und bestellen vom Sofa oder am Arbeitsplatz. Mausklick statt Warteschlange lautet ihre Devise, die sich wachsender Beliebtheit erfreut.

„Es gibt einen Trend vom Stationär- zum Versandhandel“, sagt Oliver Claas vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BDV). Dazu zählt das Internet genauso wie telefonische oder schriftliche Bestellungen aus Katalogen. 2008 schätzt der Verband den Versandanteil am gesamten Einzelhandel auf 7,2 Prozent, der Onlinehandel liegt bei 3,5 Prozent. Dieser Wert ist seit 1996, als erstmals Waren über das Internet verkauft wurden, stetig gestiegen. 2008 werden in Deutschland 13,4 Milliarden Euro online umgesetzt (siehe Grafik). Damit bestellen erstmals mehr Menschen im Internet als mit Telefon und Postkarte zusammen. Tendenz steigend.

Längst tummeln sich im Onlinehandel nicht mehr nur die Spezialisten von Ebay und Amazon. Auch die Traditionshäuser haben die neue Dynamik erkannt. So wuchs beim Versandhändler Otto der im Netz erzielte Umsatz im Geschäftsjahr 2007/2008 um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,5 Milliarden Euro. Das entspricht etwa zwei Dritteln des Gesamtumsatzes. Auch zur Kaufhauskette Karstadt gehört ein Onlineshop, der seinen Umsatz nach Konzernangaben im vergangenen Geschäftsjahr um 40 Prozent steigern konnte und damit etwa auf dem Niveau einer großen Filiale liegt.

Weihnachten ist die wichtigste Jahreszeit der Branche – für die virtuelle Welt aber noch mehr als für die wirkliche. „Beim stationären Einzelhandel machen November und Dezember rund ein Fünftel des Jahresumsatzes aus“, sagt Olaf Roik vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, „beim Online-Handel ist es ein Viertel.“ Auch dieses Jahr hofft man trotz Krise auf viele Geschenke. Optimistisch stimmt eine aktuelle Umfrage von Quelle. Darin erklären 72 Prozent von rund 1000 Befragten, dass die Konjunkturprognosen sich nicht auf ihr Kaufverhalten auswirkten. Ein Einkaufsbummel scheint dabei jedoch nicht sehr beliebt: 60 Prozent wollen ihre Geschenke im Internet bestellen. David C. Lerch

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