Wirtschaft : Medien: Banken planen die Ära nach Kirch

Thomas Magenheim

Die angeschlagene Kirch-Gruppe wird vermutlich am Montag Insolvenzantrag stellen. Für Teile des Unternehmens ist eine Auffanggesellschaft in Planung. Details hierzu sollen ebenfalls am Montag bekannt gegeben werden. In diese Gesellschaft wollen Gläubigerbanken der hoch verschuldeten Mediengruppe die wirtschaftlich gesunden Sparten einbringen und selbst die Führung übernehmen. Das sagte ein Bankensprecher am Sonnabend auf Anfrage des Tagesspiegel. Sobald für Leo Kirchs Teilkonzern, die Kirch Media AG, ein Insolvenzverwalter bestellt ist, werde diesem ein entsprechendes Konzept präsentiert.

Den Gang zum Insolvenzrichter muss das Kirch-Management "fast hundertprozentig" am kommenden Montag antreten, heißt es übereinstimmend bei mehreren Banken. Bislang gebe es keinerlei Anzeichen für weitere Gespräche zwischen den beteiligten Instituten und den beiden Kirch-Gesellschaftern Berlusconi und Murdoch, um den Zusammenbruch in letzter Minute zu verhindern. Freitagnacht waren die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen worden.

Die Kirch-Gruppe ist bei Banken mit mindestens 6,5 Milliarden Euro verschuldet und steht unmittelbar vor weiteren Zahlungsverpflichtungen in Milliardenhöhe. Die Kreditinstitute, die Teile von Kirch Media aus der Konkursmasse zu einem noch unbekannten Preis herauskaufen wollen, sind dem Vernehmen nach Kirchs Hauptgläubiger: die Bayerische Landesbank, die Hypo-Vereins- und Commerzbank sowie die DZ Bank. Ihr Angebot soll nicht dem gesamten Teilkonzern Kirch Media gelten, in dem Rechtehandel, Filmproduktion und werbefinanzierte Sender wie Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1 gebündelt sind.

Auch hier gibt es defizitäre Teile wie etwa das Deutsche Sportfernsehen (DSF), an dem die Banken offenbar kein Interesse haben. Insgesamt beschäftigt die Kirch Media AG, die als Herzstück des gesamten Kirch-Imperiums gilt, rund 5 500 Mitarbeiter. Wie viele davon in die Auffanggesellschaft übernommen werden sollen, ist noch offen.

Darüber hinaus ist aber auch unsicher, ob bei einer Insolvenz von Kirch Media ohne weiteres die Banken das Ruder übernehmen können. Der Insolvenzverwalter wird alternative Konzepte prüfen müssen. "Das Rennen ist für alle eröffnet," stellte ein Insider klar. Interesse an einer Übernahme lukrativer Teile des Kirch-Imperiums hat auch eine Investorengruppe um Rupert Murdoch und Italiens Staatschef Silvio Berlusconi, die derzeit an Kirch Media zu einem Fünftel beteiligt ist.

Die Mehrheit an dieser Gesellschaft hält noch Firmengründer Leo Kirch und dessen Sohn Thomas. Die Investorengruppe hatte wochenlang mit den Gläubigerbanken ohne jedes Ergebnis über eine Rettung von Kirch verhandelt. Gescheitert sind diese Gespräche letztlich an der Weigerung der Investoren, sich an einem 200 Millionen Euro umfassenden Überbrückungskredit für Kirch Media zu beteiligen. Andererseits wollten auch die Banken keine Zugeständnisse zu einem von den Investoren geforderten teilweisen Forderungsverzicht machen.

Nach einem Insolvenzantrag herrschen allerdings völlig andere Verhältnisse, weil damit das Thema Schulden getrennt verhandelt werden kann. In einer solchen Situation könnten die zuletzt wenig zahlungswilligen Investoren nun doch zu einem finanziellen Engagement bereit sein. Inwiefern sie zum Zug kommen, hängt aber auch davon ab, wie die Kirch-Kredite besichert sind. Große Teile der Kirch-Gruppe dienen Banken als Sicherheiten und sind damit bei einer Insolvenz nicht verwertbar. Das gibt den Banken einen klaren Vorteil. Sie sind allerdings offen für weitere Investoren in ihrer Auffanggesellschaft.

In der Diskussion sei zurzeit vor allem eine Beteiligung des Hamburger Springer-Verlages, hieß es am Wochenende in Bankenkreisen. Aber auch für Murdoch, Berlusconi und Co stehe die Tür offen. Die Mehrheit müsse aber in jedem Fall bei den Kreditinstituten bleiben. An einem langfristigen Engagement haben die Banker allerdings kein Interesse. Die Auffanggesellschaft soll binnen zwei bis drei Jahren und möglicherweise auch in Teilen weiterverkauft werden. Den Zuschlag bekomme der, "der den höchsten Preis zahlt", sagte ein Banker. Politische Rücksichten gebe es nicht.

In der deutschen Medienbranche und Politik wurden zuletzt Vorbehalte gegen eine Machtübernahme bei Kirch durch Murdoch und vor allem Berlusconi geäußert. Als nationale Adressen sind deshalb Springer oder die WAZ-Gruppe ins Spiel gebracht worden. Als verlängerter Arm der Politik für solche Überlegungen gilt die halbstaatliche Bayerische Landesbank, die Kirch allein gut zwei Milliarden Euro geliehen hat und seitens der Banken die Gespräche mit Investoren führt. Viele bayerische CSU-Regierungsmitglieder haben bei ihr eine tragende Funktion.

Das Ringen um eine Zukunft von und die Macht bei Kirch ist aber nicht auf den Teilkonzern Kirch Media AG beschränkt. Es sei sehr wahrscheinlich, dass eine Insolvenz dieser Gesellschaft auch einen Folgekonkurs beim Teilkonzern Kirch-Pay-TV auslöst, unter dessen Dach der chronisch defizitäre Bezahlsender Premiere arbeitet, schätzen Banker. Kirch Media liefert Premiere viele Filme und Sportrechte zu Preisen, die sich der Sender nicht leisten kann, auf die ein Insolvenzverwalter aber pochen müsse.

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