Wirtschaft : Medien: Das Ende der Ära Leo Kirch

Dieter Fockenbrock

So viel ist klar: Leo Kirch muss in seinem Haus die Macht abgeben - ganz oder teilweise. Der "einfache Filmhändler", wie er sich selbst immer gerne und in aller Bescheidenheit nennt, ist am Ende seiner Karriere angekommen. Zugegeben: Sich die Firma Kirch ohne Leo Kirch vorzustellen, fällt schwer. Das Besondere dieses Unternehmens war immer der Chef. Bewundert, weil er mit dem Aufstieg zum bedeutendsten Rechtehändler Europas etwas geschafft hat, von dem andere nur träumen. Gehasst, weil der 75jährige verschwiegen, trickreich und mit vielen guten Beziehungen ein schwer durchschaubares Imperium regiert.

Damit ist es jetzt vorbei. Leo Kirch hat ein Leben lang hoch gepokert, immer auf den letzten Drücker einen Ausweg gefunden. Diesmal wird ihm das nicht gelingen. Ob nun die Banken oder seine Partner Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch künftig das Sagen haben, vielleicht auch nur mitregieren, ist völlig gleichgültig. Entscheidend ist die Entmachtung des Firmenchefs, ein Gedanke, den noch vor wenigen Jahren niemand zu denken gewagt hätte. Am wenigsten Leo Kirch selbst.

Darin liegt der entscheidende Fehler des Leo Kirch. Er führt einen internationalen Medienkonzern wie einen mittelständischen Betrieb: patriacharlisch und an der kurzen Leine. Und: Der Firmengründer hat sein Lebenswerk nicht rechtzeitig darauf vorbereitet, dass es eines Tages auch ohne ihn gehen muss. Das ganze Haus ist viel zu sehr auf ihn zentriert. Den großen Umbau der letzten Jahre hat er viel zu spät angepackt, die Öffnung des Konzerns für die Börse ist mit der heißen Nadel gestrickt. Dafür bekommt Leo Kirch jetzt die Quittung.

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