Medien : Es bleibt in der Familie

Leo Kirch will fünf Jahre nach der Pleite seines Medienkonzerns wieder ins Geschäft kommen – und trifft dabei alte Weggefährten.

Henrik Mortsiefer
Kirch
Leo Kirch -Foto: dpa

Berlin - Der Name Leo Kirch elektrisiert – immer noch. Als in dieser Woche die offizielle Rückkehr des 80-jährigen Milliardenpleitiers auf die deutsche Medienbühne bekannt wurde, häuften sich aufgeregte Spekulationen. Als neuer Großaktionär der Münchener Firma EM Sport Media AG (ehemals EM.TV) und Vertrauter des Vorstandschefs Werner Klatten bereite Kirch sein großes Comeback vor.

Sportrechte, Fußball, Bundesliga – fünf Jahre nach dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe wolle der Unternehmer wieder mitmischen im Handel mit Fernsehware und Übertragungsrechten. „Leo war nie weg“, raunten Vertraute. Kirchs „wirtschaftliche Potenz“ und die seines Geschäftspartners Dieter Hahn (46) sei groß. KF15 habe „noch viel vor“. Die nach der Münchner Firmenadresse Kardinal-Faulhaber- Straße 15 benannte Beteiligungsholding ist auf Kirchs Frau Ruth und Hahn angemeldet. Was seine Berater beharrlich gestreut hatten, trat ein: Kirch ist wieder da.

Gut gebrüllt, meinen Beobachter. Auch als größter Aktionär von EM Sport Media sei Kirchs operativer Einfluss gering. Zahlen über seine Finanzkraft existierten nicht, Kirchs Ruf sei ruiniert. „Mit dieser Vorgeschichte wird er kein Bein mehr im Mediengeschäft auf die Erde bekommen“, glaubt ein Banker, der Kirch seit langem kennt. „Das ist eine Frage des Vertrauens.“ Auch das Interesse des Strippenziehers an den Fußballbundesliga-Rechten, die Ende November für die Spielzeiten ab 2009 neu vergeben werden, sei bislang nur ein Gerücht. Kirch hatte sich mit der ARD schon einmal einen spektakulären Bieterwettkampf um Fußball-Rechte geliefert. Sein 2001 gestarteter Versuch, mit späten Sendeterminen auf Sat 1 Bundesligafans zu einem Abo des Bezahlsender Premiere zu zwingen, missglückte.

Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), nimmt Kirchs zweiten Anlauf sportlich: „Aus der Sicht des DFB sind wir an einem Wettbewerb interessiert. Wenn Herr Kirch daran teilhaben will, haben wir das nicht zu kritisieren“, sagte Zwanziger dem Tagesspiegel. Und die ARD, bei der die Rechte für Bundesligaberichte im frei empfangbaren Fernsehen größtenteils liegen, zeigt Humor. „Ich habe Verständnis dafür, dass man sich nicht mit dem inoffiziellen Titel ,Ex-Medienmogul‘ in den Ruhestand verabschieden möchte“, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff dieser Zeitung. „Oder um die Worte von Herrn Kirch etwas abzuwandeln: Wenn der Herr gibt und anschließend nimmt – warum sollte er dann nicht irgendwann wieder geben?“

Mit dem Satz „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen“ hatte sich Kirch im Jahr 2002 nach der Pleite seines Medienkonglomerats mit 100 Tochterfirmen und 10 000 Mitarbeitern verabschiedet. Genommen worden war ihm fast alles – weil er vorher fast alles haben wollte: Fernsehsender (Pro Sieben Sat1, Premiere), Film- und TV-Produktionen (Constantin, EM.TV), Hollywood und die Formel 1. Als er nach der waghalsigen Expansion einen Großkredit nicht zurückzahlen konnte, musste Kirch Insolvenz anmelden. Die Außenstände betrugen anfangs mehr als zehn Milliarden Euro – Kirchs Bauchlandung war die größte Pleite der Nachkriegsgeschichte.

Noch heute warten nach Angaben des Insolvenzverwalters Michael Jaffé 1900 Gläubiger auf ihr Geld. Während Kirch wieder Geschäfte macht, versucht Jaffé, alte Forderungen in Höhe von 3,7 Milliarden Euro abzuarbeiten. Ein erster Abschlag von 300 Millionen Euro wurde Ende Februar gezahlt. „Bis zum Jahresende ist eine weitere Abschlagszahlung geplant“, sagte ein Sprecher Jaffés dem Tagesspiegel. Über die genaue Höhe müsse noch mit dem Gläubigerausschuss gesprochen werden. Bankenkreisen zufolge sollen bis zum Verfahrensende mehr als 20 Prozent der Forderungen aus der Insolvenzmasse bedient werden. „Bis dahin werden noch mindestens sechs Jahre ins Land gehen“, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters.

Zeit, die Dieter Hahn und der zuckerkranke und sehbehinderte Kirch für den Neustart nutzen wollen. „Dieses Duo wird wieder mitmischen“, glaubt Daniela Bergdolt, Rechtsanwältin und Aktionärsvertreterin. Sie beobachtet die Medienfirma EM Sport Media seit den Tagen von Ex-Chef Thomas Haffa. Die Idee, Fernseh-, Film- und andere Übertragungsrechte von der Produktion bis zur Verwertung in einer Wertschöpfungskette zu vermarkten, sei nicht falsch. „Kirch und EM.TV haben sich damals nur übernommen“, sagt Bergdolt. „Ich könnte mir vorstellen, dass es diesmal im Sportgeschäft funktioniert.“ Helfen könnte die enge Verbindung, die EM-Sport-Chef Klatten zur Schweizer Firma Highlight knüpfen will, an der er nach einem Aktientausch mit Kirchs KF15 künftig 36,5 Prozent hält. Beide decken mit ihren Töchtern die Geschäftsfelder Produktion (Plazamedia), Rechtehandel (Team), Internet (Sport1) und Fernsehen (DSF) ab. Allein die Filmfirma Constantin wirkt wie ein Fremdkörper, der bald verkauft werden dürfte.

Stützen kann sich Kirch auch auf ein intaktes Netzwerk alter Weggefährten. Neben Hahn und Klatten gehören dazu zum Beispiel Erwin Conradi, Ex-Metro-Manager und mit 6,7 Prozent an EM Sport beteiligt. Er half Kirch in den 80er Jahren bei Filmfinanzierungen. Wichtig im Sportgeschäft wird auch die profilierte Sportrechte-Managerin Dagmar Brandenstein sein, die KF15 jüngst verpflichtete – sie war zuvor für die Rechteagentur von ARD und ZDF tätig.

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