Wirtschaft : Medien-Konzern: Leo Kirch in der Klemme

Thomas Magenheim

Leo Kirch betreibt mit seiner Kirch Media einen Börsengang, der keiner ist. Zwar wird der Konzern Mitte 2002 auf dem Parkett gehandelt, wenn alle Pläne reifen. Als Vehikel dazu dient die TV-Gruppe um Pro Sieben und Sat 1. Der eigentliche Sinn eines solchen Schritts, nämlich frisches Geld in einen Börsenkandidaten fließen zu lassen, wird aber völlig verfehlt. Angesichts der Börsenkrise hat der umtriebige Medienkaufmann offenbar die Hoffnung aufgegeben, neue Anleger für sein Kerngeschäft begeistern zu können. Statt wie ursprünglich geplant rund ein Viertel der Kirch Media am Parkett zu versilbern, muss Kirch nun sogar eine immense Kapitalvernichtung in Kauf nehmen. Binnen zwei Tagen hat sich der Börsenwert von Pro Sieben Sat 1 als Reaktion auf die Fusion fast halbiert. Wenn Kirch die Fusion dennoch durchzieht, ist das nur mit dem verbindlichen Versprechen an diverse Finanzinvestoren zu erklären, die Kirch Media spätestens 2003 an die Börse zu bringen.

Nun wird das Geld knapp. Allein der voraussichtlich im kommenden Frühjahr anstehende Kauf der Springer-Anteile an Pro Sieben Sat 1 dürfte Kirch 1,5 Milliarden Mark kosten. Hauptproblem ist aber das Debakel im Bezahlfernsehen. Der Aufbau von Premiere World hat Milliarden verschlungen. Kirch hat sich zwar mit Rupert Murdoch verbündet. Aber wenn Premiere demnächst gemeinsam vereinbarte Ziele nicht erreicht, wonach es aussieht, muss Kirch die Anteile Murdochs an der Kirch Pay TV zurückkaufen oder ihm das Geschäft überlassen. Doch woher soll Kirch die Milliarden für einen Rückkauf nehmen? Es wird eng.

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