Wirtschaft : Medien: Neue Runde im Verhandlungspoker um Kirch

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Im zähen Ringen um das Medienimperium von Leo Kirch zeichnet sich jetzt eine Lösung ab. Insider erwarten, dass die bei Kirch Media engagierten Investoren heute zumindest die Grundzüge eines Sanierungskonzepts vorlegen werden. Offenbar sind sich die Gesprächspartner, die am vergangenen Freitag und am Samstag ohne Beteiligung von Kirch verhandelt haben, etwas näher gekommen. Allerdings heißt es in Kreisen, die dem Unternehmen nahe stehen, dass die Gefahr einer Insolvenz immer noch nicht abgewendet sei.

Über die Oster-Feiertage haben sich die Anteilseigner intensiv über ihre künftige Rolle unterhalten. Zu den Anteilseignern gehören neben Murdoch unter anderem auch die Unternehmen Fininvest und Mediaset des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi sowie die Investment-Bank Lehman Brothers und der saudische Prinz Al Waleed. Bislang hieß es, die Investoren wollten die Mehrheit bei der Kirch Media übernehmen. Wer die unternehmerische Führung übernehmen soll, war aber noch nicht geklärt.

In der Kirch Media KGaA hat Unternehmensgründer Leo Kirch sein Kerngeschäft gebündelt, den Film- und Sportrechtehandel. Der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch soll in den jüngsten Rettungsbemühungen die Führung übernommen haben, hieß es gestern in München. Bankenkreise bestätigten auch, dass Murdoch in diesen Tagen in Los Angeles über eine Lösung für Leo Kirchs verlustbringendes Bezahlfernsehen Premiere verhandeln wird.

Über seinen britischen Pay-TV-Sender BSkyB ist Murdoch auch an Premiere beteiligt. Im Herbst könnte BSkyB bei Premiere aussteigen und dafür von Kirch die Zahlung von 1,7 Milliarden Euro verlangen. Das Recht zum Ausstieg hatte sich Murdoch ausbedungen, wenn Premiere sich nicht so entwickelt, wie das die Unternehmen erwartet haben. Bis zum Herbst hätte Premiere vier Millionen Abonennten nachweisen müssen. Bislang sind es jedoch nicht einmal drei Millionen Zuschauer, die das Bezahlfernsehen gebucht haben. Schon im Dezember hatte die Kirch-Gruppe signalisiert, dass sie frisches Geld und einen neuen Investor für Premiere brauche. Man könne sich auch vorstellen, die unternehmerische Führung bei Premiere aufzugeben. Wunschpartner für dieses Geschäft sei Murdoch.

Die mögliche Rückgabe seiner Premiere-Anteile und die daraus resultierende Forderung an Kirch gibt Murdoch jetzt eine mächtige Position in den Verhandlungen. Ob Banken und Investoren tatsächlich eine Lösung für die weit verzweigte Kirch-Gruppe finden werden, ist allerdings noch immer völlig offen. Banker in München halten es weiter für möglich, dass der Medienkonzern Insolvenz anmelden muss. Bereits in den nächsten Tagen braucht die Kirch-Gruppe einen Überbrückungskredit in dreistelliger Millionenhöhe, um zu überleben. "Es wird eng für Kirch", hieß es gestern in Verhandlungskreisen.

Allerdings hätten die potenziellen Investoren im Augenblick kein Interesse an einer Insolvenz, hieß es. Dann nämlich ginge ihnen auch die Kontrolle über die Vermögenswerte verloren.

Viel Zeit bleibt den Verhandlungsführern nicht mehr: Noch in diesem Monat wird ein Kredit der Dresdner Bank über 460 Millionen Euro fällig. Das Institut hatte den Kredit bereits zwei Mal verlängert, zunächst im Dezember, dann nochmals im Januar. Ende April kann auch der Berliner Axel Springer Verlag auf die Zahlung von 767 Millionen Euro pochen.

Anfang Januar hatte das Verlagshaus eine Option zur Rückgabe seines 11,5 Prozent-Anteils an der Pro Sieben Sat 1 Media AG ausgeübt, die Ende des Monats fällig wird. Damit hatte Springer die aktuelle Krise bei Kirch ausgelöst. Kirch bestreitet allerdings, dass die Rückgabe-Option gültig ist, weil die Vertragskonstruktion mit Springer das nicht erlaube. Es gibt allerdings auch Anzeichen, dass die Hamburger jetzt möglicherweise auf die Auszahlung verzichten und dafür den Anteil an der Sender-Gruppe auf mehr als 25 Prozent ausbauen könnten.

Darüber hinaus hat Kirch offenbar auch laufend fällige Verpflichtungen gegenüber den großen amerikanischen Filmstudios. Die letzten Gespräche zwischen Banken und Investoren am vergangenen Donnerstag endeten wiederum ohne Ergebnis. Die Institute - Hypo Vereinsbank, Bayerische Landesbank, Commerzbank und DZ Bank - forderten von den Investoren abermals ein tragfähiges Zukunftskonzept, bevor sie weiteres Geld zuschießen.

Die Banken hatten zuletzt bemängelt, dass sie alleine das Risiko einer Sanierung getragen hätten. Firmengründer Leo Kirch wird wahrscheinlich aus dem Unternehmen ausscheiden. Gegen eine Machtübernahme durch die Firmen von Silvio Berlusconi stemmt sich inzwischen allerdings der Bundeskanzler. "Es ist nicht unproblematisch, wenn ein Ministerpräsident eines mit uns befreundeten Landes ausgerechnet im deutschen Medienbereich Einfluss hätte", sagte Bundeskanzler Schröder dem "Spiegel".

Die Kirch-Gruppe selbst ist offenbar äußerst optimistisch, die Turbulenzen unbeschadet zu überstehen: Auf ihrer Internet-Seite bietet die Firma nach wie vor zahlreiche Jobs an. Fraglich ist allerdings, ob sich in diesen Tagen tatsächlich wie gesucht ein neuer Kreditoren-/Debitorenbuchhalter für das undurchsichtige Firmengeflecht findet.

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