Medien : Was Fernsehen kosten kann

Fernsehsender, Kabel- und Satellitenbetreiber suchen nach neuen Einnahmequellen. Gleichzeitig wird der Wettbewerb um die Kunden härter.

Hamburg - Wie teuer ist das Fernsehen? Und wer muss wem wie viel dafür zahlen? Diese Fragen sind im zu Ende gehenden Jahr mehrfach neu gestellt worden. Schon im Februar brachte der Satellitenbetreiber SES Astra eine neue Einnahmequelle ins Gespräch, die eine weitere Belastung für die Zuschauer bedeutet: Bislang frei empfangbare TV-Programme können verschlüsselt und gegen eine Monatsgebühr von etwa 3,50 Euro wieder entschlüsselt werden. Den Vorteil haben die Sender, die ihre digitalen Dienste und Programmpakete gezielt für bestimmte Zuschauerkreise codieren können.

Doch das Bundeskartellamt beobachtet diese Entwicklung mit Argusaugen und wendet sich gegen etwaige Absprachen der großen Sendergruppen zum Nachteil der Verbraucher. Als Konsequenz hat ProSiebenSat.1 entsprechende Pläne erst einmal auf Eis gelegt.

Zuschauer haben Qual der Wahl

Die Zuschauer haben ohnehin die Qual der Wahl zwischen den verschiedenen Empfangsmöglichkeiten - Kabel, Satellit, Antenne oder Internet - und Zusatzangeboten, die das Fernsehen über die GEZ- Pflichtgebühr hinaus verteuern können. Im Frühjahr lenkte eine neu gegründete "Vereinigung der Rundfunkgebührenzahler" mit einer Verfassungsbeschwerde die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die neue Gebührenpflicht für Internet-Computer. Von Januar 2007 an muss jeder, der bislang weder ein Radio noch einen Fernseher angemeldet hat, die Gebühr entrichten, wenn er einen internetfähigen PC besitzt.

Nach einer Protestwelle, an der sich alle großen Wirtschaftsverbände beteiligten, beschlossen die Ministerpräsidenten im Herbst, dass für Computer nicht die volle Fernsehgebühr von 17,03 Euro zu zahlen ist, sondern nur die Hörfunkpauschale von 5,52 Euro. Die Interessenverbände hatten argumentiert, dass der PC für sie ein Arbeitsmittel und kein Gerät zum Radio- oder Fernsehempfang sei.

Kürzlich kündigte Kabel Deutschland (KDG), mit 9,5 Millionen Kunden größter Kabelnetzbetreiber im Land, eine Preisanhebung für alle Analog-Kunden auf das Niveau der Digital-Zuschauer an - ein Sprung um 20 Prozent. Die Preiserhöhung zum 1. März 2007 betrifft zwar nur die Direktkunden - also nicht die Mieter, die für ihren Kabelanschluss im Rahmen der Nebenkosten an den Vermieter zahlen - doch das sind immerhin noch etwa 2,5 Millionen. Dafür wird ihnen zwar ein kostenloser Digitalreceiver angeboten, doch mehr zahlen müssen sie auch, wenn sie den nicht wollen.

Zeitungen und Zeitschriften gefordert

Das heißt: Fernsehen kostet einen Zuschauer mit Kabelanschluss neben der GEZ-Gebühr von 17,03 Euro zusätzlich 16,90 Euro, zusammen also 33,93 Euro im Monat. Wer zusätzliche Pay-TV-Angebote, etwa von Premiere oder dem Bundesliga-Anbieter Arena, nutzen will, muss noch tiefer in die Tasche greifen. Da sehen sich Zeitungen und Zeitschriften zunehmend gefordert, um ihren Anteil an den Medienbudgets der Haushalte zu kämpfen, denn auch ein Tageszeitungs- Abonnement schlägt mit etwa 20 bis 30 Euro zu Buche.

Im Wettbewerb um die Kunden haben sowohl Telekom- als auch Kabelfirmen ihre Tätigkeitsfelder inzwischen auf das Gebiet des jeweils anderen ausgeweitet. Unter dem Stichwort "Triple Play" bieten sie Fernsehen, Internet und Telefon aus einer Hand und über eine Leitung an. Für einen Pauschalpreis von 80 bis 90 Euro im Monat brachte die Deutsche Telekom im Oktober ein Angebot auf den Markt, das in den zehn deutschen Ballungsgebieten genutzt werden kann, die über das Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL verfügen. Kabel Deutschland offeriert im Gegenzug über den Kabelanschluss Internet und Telefonie. Dafür werden derzeit zusätzlich zur TV-Pauschale von 16,90 Euro bei einer Flatrate 39,90 Euro verlangt. Experten räumen dem Triple Play in den nächsten Jahren gute Wachstumschancen ein. (tso/dpa)

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