Medienbericht : Missstände bei Deichmann-Lieferant

Arbeiten ohne Schutzmaske, Überstunden, Demütigung: Europas größter Schuhhändler Deichmann produziert nach Recherchen der ARD in Kambodscha unter unhaltbaren Arbeitsbedingungen. Das Unternehmen will von den Missständen in einer Schuh-Fabrik nichts gewusst haben.

Essen/Mainz Ein Großlieferant des Essener Schuhkonzerns Deichmann produziert nach Recherchen des ARD-Politikmagazins Report Mainz in Kambodscha unter unhaltbaren und für die Mitarbeiter gesundheitsgefährdenden Bedingungen. In der Fabrik Shoes Premier in Phnom Penh, die jährlich 2,5 Millionen Paar Deichmannschuhe liefere, würden Mitarbeiter zu täglichen Überstunden gezwungen. Die Arbeiterinnen beklagten sich über Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, weil sie Lösemitteldämpfen ohne Schutzmasken ausgesetzt seien. Wer sein Pensum von 100 Schuhen pro Stunde nicht schaffe, müsse stundenlang mit den Händen auf dem Rücken vor einer Wand als "firmeninternem Pranger" stehen.

Ein Firmensprecher sagte, Deichmann sei erst vor wenigen Tagen durch ein Schreiben einer lokalen kambodschanischen Gewerkschaft über Missstände informiert worden. Seitdem bemühe sich das Unternehmen intensiv um Aufklärung. Von der Fabrik, die außer Deichmann auch andere Schuhfirmen beliefert, und von Gewerkschaftsvertreter vor Ort gebe es aber völlig widersprüchliche Auskünfte. Deichmann habe deshalb noch am Wochenende einen Experten nach Phnom Penh entsandt, der den Vorwürfen nachgehen und Missstände abstellen soll. Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte würden auf keinen Fall geduldet. Derzeit könne Deichmann den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe aber nicht beurteilen.

Die Fabrik sei erst im Mai kontrolliert worden. Dabei seien zwar einige Mängel festgestellt worden, die das Management abstellen müsse. Einschneidende Probleme hätten sich dabei aber nicht gezeigt. In der kambodschanischen Fabrik arbeiten rund 3000 Menschen. (sgo/dpa/AFP)

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