Wirtschaft : Medienbranche: Kinowelt kämpft ums Überleben

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Die am Neuen Markt notierte Kinowelt Medien AG kämpft um ihr Überleben. Wie aus dem Unternehmen nahestehenden Kreisen am Montag zu erfahren war, weigern sich die Banken nach der Bekanntgabe schlechter Halbjahreszahlen, dem hoch verschuldeten Unternehmen weitere Kredite zu gewähren. Die Aktie büßte ein Drittel ihres Wertes ein. Zuletzt lag der Kurs bei 0,62 Euro um 33 Prozent niedriger als am Freitag.

Kinowelt-Vorstandschef Michael Kölmel verhandelte am Montag nach Auskunft seines Sprechers mit potentiellen Geldgebern über eine weitere Finanzierung des angeschlagenen Unternehmens. "Vielleicht können wir schon am Dienstag mit einer guten Nachricht auf den Markt kommen", gab sich der Sprecher optimistisch. Kölmel selbst stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Zu den Verhandlungsführern zählen neben der BHF-Bank auch ABN Amro und die HypoVereinsbank. Kinowelt sucht seit Wochen einen Investor, der das Unternehmen mit frischem Geld versorgt und die in der Vergangenheit teuer erworbenen Filmrechte vermarktet. Bislang blieb die Suche allerdings erfolglos. Auch die Banken, so hieß es am Montag, sind nicht fündig geworden. Erst wenn Kölmel einen Geldgeber finde, seien die Geldinstitute zu Kompromissen bereit, sagte ein Banker. "Wir würden auch auf Forderungen verzichten."

RTL-Sprecher Markus Payer bestätigte am Montag: "Wir haben kaum Interesse an den Kinowelt-Filmen." RTL sei mit Filmrechten gut ausgestattet, und die Kinowelt-Rechte seien zu teuer. Auch die Option, Kinowelt komplett zu übernehmen, "hat unser Interesse nicht gesteigert", so Payer. Angesichts des auf rund 20 Millionen Euro gesunkenen Börsenwertes wird jetzt auch über einen Verkauf des gesamten Unternehmens spekuliert. Als mögliche Käufer im Gespräch sind neben der RTL Group die Kirch-Gruppe, der Kabelnetzbetreiber Liberty Media und das Hollywood Studio Warner Brothers. Kinowelt hatte 1999 von Warner ein Filmpaket für 300 Millionen Dollar erworben und damit die beiden großen TV-Konzerne Kirch und RTL (damals CLT-Ufa) überboten. Kölmel gelang es später nicht, gegen den Widerstand der Privat-Sender das Paket zu vermarkten. Vermutet wird, dass die Fernseh-Konzerne nun auf die Insolvenz (siehe Lexikon, Seite 16) von Kinowelt setzen, um die Filetstücke aus der Konkursmasse herauszukaufen. "Kämen die Filme so billiger auf den Markt, hätten wir eine neue Situation", heißt es bei einem potenziellen Käufer.

Beobachtern zufolge hängt die Zukunft von Kinowelt am seidenen Faden. "Aus eigener Kraft schafft es Kölmel nicht mehr", sagte Harald Heider, Analyst bei der DG Bank. Die West LB Panmure sieht eine Wahrscheinlichkeit von unter 50 Prozent für das Überleben des Unternehmens. Es sei in dieser Situation sinnvoller, die Gesellschaft aufzuteilen und Teile einzeln zu verkaufen.

In seiner Zwischenbilanz des laufenden Geschäftsjahres hatte Kinowelt am Freitagabend mitgeteilt, wegen der hohen Verschuldung "mit Bankverbindlichkeiten von über 400 Millionen Euro zum 30. Juni 2001" sei "das Überleben der Gesellschaft nicht sichergestellt". Dem Vernehmen nach muss Kinowelt bis Ende des Jahres rund 300 Millionen Euro zurückzahlen, wenn die Banken keinen Aufschub gewähren. Bei einem Umsatz von 118,6 Millionen Euro belief sich der Vorsteuer-Verlust im ersten Halbjahr 2001 auf 196,1 Millionen Euro. Die liquiden Mittel schrumpften binnen sechs Monaten von 135 auf 21,4 Millionen Euro zusammen.

Die Münchener Rück, die 4,9 Prozent der Kinowelt-Anteile hält, stellte am Montag Aussagen aus der vergangenen Woche richtig, wonach das Engagement bei dem Medienunternehmen vollständig abgeschrieben werde. "Dies ist nach dem Kursverlust der Aktie rein bilanztechnisch zu verstehen", sagte ein Sprecher. Ob sich der Rückversicherer von seinen Anteilen trennen wolle, sei damit noch nicht gesagt.

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