Wirtschaft : Medienbranche: Nie waren Medienaktien billiger

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Wenn sich die Medienbranche mit viel Glanz und Glamour selbst feiert, können sich die meisten Medienaktionäre nicht recht mitfreuen. Denn die Anteilsscheine an Filmproduzenten und -verleihern haben in den Depots sogar größere Löcher hinterlassen als Internetaktien. Nie waren die Medienpapiere billiger als in diesen Tagen. Optisch niedrige Kurse und Kurs-Gewinn-Verhältnisse im einstelligen Bereich könnten Anleger verleiten, die vermeintliche Chance auf einen günstigen Einstieg in die Branche zu nutzen. Doch der Schein trügt: Medienanalysten bleiben zurückhaltend, auch wenn beispielsweise Jan Herbst von Sal. Oppenheim langfristig durchaus Chancen für Anleger sieht. Kurzfristig lässt er den gesamten Sektor auf "untergewichten". Fundamental sei bei vielen Unternehmen zwar bereits "viel Risiko" in den Kursen eingepreist, doch die Stimmung bei großen Investoren gegenüber der Branche sei absolut am Boden.

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Der einzige Titel, dem Herbst zurzeit eine bessere Entwicklung als dem Markt zutraut, ist die TV-Gruppe Pro Sieben Sat1 Media AG. Der Sender sei künftig nicht mehr an einen Einkauf über Kirch gebunden und müsste dadurch bessere Preise erzielen, so die Begründung. Zu den Profiteuren der Kirch-Krise könnte nach Meinung einiger Analysten auch die Constantin Film AG gehören. An dem Münchener Unternehmen hält die Kirch Beteiligungs GmbH zurzeit noch gut ein Fünftel der Anteile. Sollte das Kirch-Unternehmen ebenfalls insolvent werden, fielen diese Anteile automatisch an die Großaktionäre Bernd Eichinger und EM.TV.

Diese neue Konstellation in der Aktionärsstruktur könnte Constantin ("Schuh des Manitu") einen Schub geben, sagt Alexander Kachler von Merck Finck & Co. Momentan sei die Nähe zu Kirch aber noch eine psychologische Belastung. Auch andere Analysten sehen Chancen dadurch, dass die Bindung von Constantin an Kirch schwächer wird. Bislang habe der Lizenzhändler in den Verhandlungen mit Kirch mutmaßlich niedrigere Preise erzielt als am Markt möglich. Marc Röhder von HSBC Trinkaus sieht Constantin daher als Kauf, denn "Constantin läuft im Kino zurzeit phantastisch".

Die Analysten der Hypo-Vereinsbank sehen Constantin schon als neuen Partner von Kirchs großem Rivalen Herbert Kloiber. Dessen Tele München Gruppe (TMG) ist nach Kirch der zweitgrößte Rechtehändler in Deutschland. EM.TV hält 45 Prozent an der TMG. "Damit dürfte der Absatz der Constantin-Produkte auch zukünftig gesichert sein", erwarten die Analysten der Hypo-Vereinsbank.

Die Skepsis, die der Branche entgegen schlägt, wurde jedoch nicht erst durch die Kirch-Krise hervorgerufen. Die Ernüchterung trat nach Meinung Kachlers schon vorher ein, weil kein Unternehmen die hoch gesteckten Ziele erreicht habe. Der volatile Rechtehandel, teuer bezahlte Filme und damit das Risiko hoher Kapitalbindung hätten zu einer Neubewertung der Branche geführt. Die niedrigen Preise seien eine Konsequenz aus einem ausreichenden Filmangebot und einem schwachen Werbemarkt, sagt Kachler. Die Einschätzung der Gesamtbranche wird sich erst ändern, wenn die Unternehmen gezeigt haben, dass ihre Modelle funktionieren, heißt es in den Banken.

Die direkten Auswirkungen der Kirch-Krise für den Lizenzhandel schätzt auch Röhder nicht allzu hoch ein: "Die Preise waren schon vorher gesunken." Einen großen Gewinner aus der Affäre Kirch werde es nicht geben. Vor allem Kinderfilm-Produzenten wie RTV und TV Loonland erhoffen sich allerdings jetzt Aufträge der Pro-Sieben-Sendergruppe (Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1). Bislang haben die Münchener ihre Kinderproduktionen hauptsächlich von EM.TV eingekauft. Kirch und EM.TV gehört je zur Hälfte die Kinderfilmbibliothek Junior TV. "Vielleicht kommen wir jetzt bei diesen Sendern hinein", sagte in vergangenen Woche TV-Loonland-Chef Peter Völkle.

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