Medienkonzern : Friede Springer will ihre Nachfolge regeln

Verlagseigentümerin Friede Springer will ihre Nachfolge regeln. Ihr Medienhaus verdient gut.

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Fleißig. Friede Springer, 73, fährt noch jeden Morgen in ihr Büro im Springer-Verlag. Die Mehrheitsaktionärin und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Medienkonzerns will nun vorsorgen für den Zeitpunkt, „ab dem ich nicht mehr selbst entscheiden kann.“
Fleißig. Friede Springer, 73, fährt noch jeden Morgen in ihr Büro im Springer-Verlag. Die Mehrheitsaktionärin und stellvertretende...Foto: picture alliance / dpa

Wenn es nach Friede Springer geht, könnte genau jetzt alles so bleiben, wie es ist. Jeden Morgen um Acht lässt sich die 73-Jährige in ihr Büro im Verlagsgebäude nach Kreuzberg fahren, wo sie im 18. Stock im Amtszimmer ihres 1985 verstorbenen Mannes Axel arbeitet. Alles sieht dort noch genau so aus, wie er es hinterlassen hat, erzählte sie einmal dem „Manager Magazin“. Getäfelte Wände, Regale mit hunderten Büchern, an der Wand Walter Leistikows „Schlachtensee“ in Öl – während sie bei ihrer Büroeinrichtung den Stillstand schätzt, arbeitet Friede Springer intensiv an ihrer Nachfolgeregelung. Doch darüber soll es nun hinter den Kulissen gekracht haben.

„Frau Springer hat die Lust an der Sache verloren“

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner ist an diesem Donnerstagmorgen die Enttäuschung anzumerken darüber, dass er seinen Plan nicht umsetzen konnte. Er wollte die Rechtsform des Unternehmens ändern, von einer Societas Europaea (SE) Aktiengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Dadurch hätte sich der Konzern an der Börse schneller zusätzliches Kapital beschaffen können für größere Investitionen, ohne das Friede Springer als Mehrheitsaktionärin an Einfluss verloren hätte. Das hätte das Unternehmen flexibler gemacht und ermöglicht, „die Vorteile eines börsennotierten Unternehmens voll zu nutzen", erklärte Döpfner bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns. Doch diese Pläne sind gescheitert. „Frau Springer hat die Lust an der Sache verloren“, sagte Döpfner.

Als Grund dafür gibt er an, dass eine solche Umwandlung der Rechtsform „sehr kompliziert“ gewesen wäre. Es habe Bedenken gegeben von Finanzinvestoren und freien Aktionären, außerdem seien Fragen wie etwa die zum „Innenverhältnis der Familienaktionäre“ „sehr komplex“ gewesen. Keineswegs habe es darüber aber einen Streit gegeben. Das weist auch Friede Springer in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) als „Unsinn“ zurück.

Friede Springer setzt auf ein zweigliedriges Modell

Sie sei „sehr erleichtert“ gewesen darüber, dass die Pläne nicht weiter verfolgt wurden. Dennoch wisse sie „sehr wohl, dass ich Vorsorge treffen muss für den Zeitpunkt, ab dem ich nicht mehr selbst entscheiden kann.“ Und wie diese Zukunft aussieht, da hat Friede Springer, die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Konzerns ist, ein festes Bild vor Augen. Sie setzt auf ein zweigliedriges Modell. „Auf der einen Seite die Stiftungen, die wohltätige und medizinische Zwecke verfolgen und auf der anderen Seite eine Gesellschaft, die sich um das Unternehmen Axel Springer kümmert.“ Beides sei bereits heute voneinander getrennt und solle auch so bleiben.

Welche Rolle ihre Rechtsanwältin und Vertraute Karin Arnold dabei künftig spielen soll, dazu äußerte sich Friede Springer nicht. Sie betonte allerdings, dass ihr Vertrauen zu Döpfner ungebrochen sei. Sie freue sich, dass er gerade wieder einen neuen Fünfjahresvertrag bekommen habe – dass sie mit ihm auf den richtigen Mann setzt, konnte Döpfner am Donnerstag erneut beweisen.

Der Verlag wächst weiter

2015 hat er die Digitalisierung des Verlags weiter vorangetrieben. Mit 62 Prozent erwirtschaftete der Verlag deutlich mehr als die Hälfte seiner Einnahmen mit seinen Internetgeschäften. Insgesamt verbuchte Springer im vergangenen Jahr Gesamteinnahmen von 3,29 Milliarden Euro, was einem Plus von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Unter dem Strich kletterte der Gewinn um knapp 30 Prozent auf 304,6 Millionen Euro. Wachstumsmotor sind dabei vor allem die sogenannten Rubrikenangebote, allen voran die Online-Stellenbörse Stepstone oder das französische Internet-Immobilienportal Seloger.com. Der Umsatz des Segments kletterte um 47,1 Prozent auf 753,1 Millionen Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stand ein Ergebnis von 305 Millionen Euro, ein Plus von 40,1 Prozent.

Weniger positiv entwickelten sich die Bezahlangebote, zu denen auch auch die Zeitungen „Bild“ und „Welt“ gezählt werden. Der Umsatz sank um 2,2 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro. Das Ebitda ging um 11,2 Prozent auf 223,2 Millionen Euro zurück. Grund dafür sei ein Rückgang der Erlöse bei Zeitungen und Zeitschriften sowie Restrukturierungsmaßnahmen, sagte Finanzvorstand Julian Deutz. Erfreut zeigte sich Döpfner jedoch darüber, dass die Bereitschaft der Leser wachse, für journalistische Angebote im Netz zu zahlen. „Bild“ und „Welt“ zusammen konnten hier ein Plus von 26 Prozent verzeichnen und kommen auf rund 384 000 Abonnenten.

Für das laufende Jahr rechnet Springer mit einem abgeschwächten Wachstumstempo. Der Anstieg des Konzernumsatzes werde im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen. Das operative Ergebnis solle im niedrigen bis mittleren Prozentbereich wachsen. Und auch ohne KGaA-Struktur habe Springer „schon jetzt ausreichend Investitionsspielräume“, um seine Wachstumspläne weiter umzusetzen, betonte Döpfner.

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