Wirtschaft : Medienkonzern Vivendi droht neuer Ärger Neue Bilanzregeln in den USA irritieren Europas Unternehmen

NAME

Palo Alto (rn/Tsp). Der angeschlagene Medienkonzern Vivendi Universal kommt nicht aus den Schlagzeilen: Die US-Anwaltskanzlei Berger and Montague will Klage gegen das Unternehmen und seinen Ex-ChefJean-Marie Messier einreichen. Messier soll demnach die Aktienkurse des auch an der Wall Street notierten Konzerns „künstlich aufgebläht“ haben, indem er „günstige, aber trügerische“ Finanzergebnisse vorlegte.

Nach Informationen der Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal Europe“ muss der französisch-amerikanische Medienriese weitere zehn Milliarden Euro abschreiben. Dies gehe aus der Halbjahresbilanz hervor, die der neue Vivendi-Chef Jean-René Fourtou am Mittwoch vorlegen werde.

Bilanzmanipulationen, wie möglicherweise bei Vivendi, will die US-Börsenaufsicht künftig besser vorbeugen. Fast 1000 US-Firmenchefs müssen nach einem neuen Gesetz bis zum 14. August die Richtigkeit ihrer Bilanzen ausdrücklich bestätigen. Ihnen drohen Haftstrafen bei unrichtigen Angaben. Es ist eine drastische und bislang einmalige Maßnahme der Securities and Exchange Commission (SEC). Beschlossen am 27. Juni, einen Tag nachdem die Bilanzmanipulation der Telekomfirma Worldcom in Höhe von fast vier Milliarden Dollar ans Licht kam, schickte die Anweisung Schockwellen durch die Führungsetagen. Jetzt will die SEC Unternehmen leichter auf die Schliche kommen, die ihre Gewinne oder Umsätze aufblähten. Kein Vorstand soll sich mehr herausreden können. Hinterfragt wird auch die Praxis, Aktienoptionen für Angestellte nicht als Kosten einzurechnen und den Wert von Pensionsplänen zu optimistisch zu berechnen. Eine verbreitete Praxis, die nach Schätzung von Experten die Gewinne leicht um zehn bis 15 Prozent schönt.

US-Manager müssen Zahlen bestätigen

Der 14. August ist aber wohl erst der Anfang eines Prozesses, der weitere unseriöse Bilanztricks ans Licht zerren könnte - vor allem in der einst boomenden Telekommunikationsbranche, die die flexiblen Bilanzregeln in den USA gewieft ausschöpfte. Aber auch in der Pharmaindustrie war es angeblich gang und gäbe, langfristige Aufträge als Einnahmen zu verbuchen, selbst wenn die Bezahlung noch lange nicht anstand. Und in der Hightech-Branche wurde kräftig mit Aktienoptionen operiert, um die tatsächlichen Personalkosten in den Büchern zu senken.

Das Großreinemachen in Amerika versetzt auch europäische Unternehmen in Unruhe. Betroffen sind vor allem die Gesellschaften, die auch an der New Yorker Börse notiert sind und sich damit den Regeln der US-Börsenaufsicht unterworfen haben. In den Rechtsabteilungen der Wirtschaftsverbände und in der Industrie wird daher gerade geprüft, ob die neuen US-Regeln überhaupt für nicht-amerikanische Unternehmen gelten können. Die neuen Standards stehen zum Teil in Widerspruch zu deutschem Recht, stellt Jan Wulfetange vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fest. Auch die Präsenz von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat widerspreche den neuen US-Vorschriften. Die Mitbestimmung ist in Deutschland aber gesetzlich garantiert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben