Wirtschaft : Medienkonzern Vivendi in der Kritik

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Der Unmut ist groß unter den Aktionären des französischen Vivendi-Konzerns. Beobachter erwarten, dass es bei der Hauptversammlung des zweitgrößten Medienkonzerns der Welt am Mittwoch turbulent zugehen wird. Nicht auszuschließen sei auch eine Empfehlung des Aufsichtsrates, den umstrittenen Vivendi-Chef Jean-Marie Messier als Konzernchef abzusetzen. Negative Entwicklungen in der europäischen Medienbranche wie der Kirch-Kollaps und der Pleite der britischen TV-Gruppe ITV Digital dürften die Stimmung der Vivendi-Aktionäre noch zusätzlich trüben.

Auch in dem zum Vivendi-Konzern gehörenden Pay-TV-Sender Canal Plus wächst der Unmut gegen Messier, seit der Vivendi-Chef Anfang letzter Woche Canal Plus-Direktor Pierre Lescure entlassen hatte. Der angestrebte Wechsel an der Führungsspitze von Canal Plus ist weit mehr als eine Personalie. Es geht - auch bei dieser Hauptversammlung - um die Zukunft des Senders.

Canal Plus ist eine Säule der nationalen Kultur und der bedeutendste Förderer der nationalen Filmindustrie. Der Sender muss neun Prozent seines Umsatzes in die Filmförderung investieren und finanziert damit rund 80 Prozent der französischen Kinofilme. Mit dem Rausschmiss von Lescure sehen Politiker, Kulturvertreter und Börsenvertreter den Auftrag ihres Fernsehkanals in Gefahr. Die oberste Medienaufsicht prüft derzeit, ob Canal Plus sogar die Lizenz entzogen werden muss. Das könnte Messier den Kopf kosten, aber auch den seiner Finanzmanager im Gesamtkonzern.

Schon seit Monaten schauen Anleger und Analysten nervös auf den immensen Schuldenberg der Vivendi-Gruppe, der in diesem Jahr auf fast 30 Milliarden Euro angewachsen ist. Allein 2001 verzeichnete Vivendi Universal ein Rekorddefizit von 13,6 Milliarden Euro. Die Aktie des Unternehmens verlor seit Jahresbeginn 35 Prozent und war damit der größte Verlierer an der Pariser Börse.

Kritiker werfen Messier Missmanagement, Größenwahnsinn und - im Medienbereich - eine zu starke Orientierung an der US-Unterhaltungsindustrie vor. Mit der Fusion mit dem kanadischen Seagram-Konzern, zu dem die US-Universal-Musiklabels und die Hollywood-Studios gehören, sowie Milliarden-Einkäufen wie dem Euro Kabelsender und der Fernsehstudios des TV-Konzerns USA Networks, ist es Messier gelungen, Vivendi Universal zum weltweit zweitgrößten Medienkonzern zu machen. Dafür ist Vivendi jetzt hoch verschuldet.

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