Wirtschaft : Medienmogul im Internet: Kirchs Imperium

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Der fast 74-jährige Medienkaufmann Leo Kirch baut sein lange Zeit völlig verschachteltes Geflecht von Firmen und Beteiligungen immer mehr zu einem schlagkräftigen Medienkonzern modernen Zuschnitts um. Erst vor knapp vier Wochen gab Kirch die Formierung einer seit langem im Raum stehenden TV-Senderfamilie unter Einschluss von Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1 und N 24 bekannt. Ende vergangenen Jahres hatte er für sein hoch defizitäres Geschäft mit Bezahlfernsehen den früheren Erzkonkurrenten Rupert Murdoch mit einer 24-prozentigen Beteiligung an der Holding Kirch Pay-TV gegen Milliardeneinlage mit ins Boot geholt. Zuvor wurde dem Bertelsmann-Konzern die Kontrolle über den Bezahlsender Premiere World abgerungen. Noch vor Jahresfrist wieder einmal aufkeimenden Gerüchten über eine finanzielle Schieflage seiner Gruppe entgegnete Kirch unter anderem mit der Hereinnahme von Finanzpartnern in seine zweite Holding Kirch Media, die wie zuletzt Murdoch frisches Geld in Milliardenhöhe mit in die Partnerschaft brachten, aber kaum Mitspracherechte haben.

Nachdem Kirch auf diese Weise große Teile des heimischen TV-Markts unter seine Kontrolle gebracht hat, stellt er sich nun auch der Zukunft dieses Mediums. Die liegt im Internet, besser gesagt in der Verknüpfung von TV und Netz. Kirch kommt zwar im Vergleich zu Bertelsmann spät auf dieses Feld. Er ist dafür aber ausgezeichnet posititioniert. Denn das dafür taugende Rohmaterial schlummert vom Spielfilm bis zum Sportclip größtenteils schon in seinen Archiven und Tochtergesellschaften. Deren Reigen könnte demnächst noch um den TV-Sender tm3 erweitert werden. In den traditionellen oder zukünftigen TV-Märkten ist Kirch also mittlerweile gut und geordnet aufgestellt. Der für kommendes Jahr angepeilte Börsengang der Kirch Media dürfte für neues "Spielgeld" sorgen.

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