Wirtschaft : Medienmogul im Internet: Leo Kirch geht endlich Online

Kurt Sagatz

Leo Kirch ist in der Welt der Medien nicht irgendwer. Und sein Medienimperium sucht im deutschsprachigen Raum seinesgleichen. Dafür sorgt allein sein riesiges Archiv an Filmen made in Hollywood, das schon in der Vergangenheit seine größte Trumpfkarte war. Alles, was Leo Kirch unternimmt, muss somit immer vor diesem Hintergrund gesehen werden. Dies gilt auch für den aus Sicht vieler Marktbeobachter eher späten Eintritt in die Online-Welt, der jedoch aus praktischer Sicht genau rechtzeitig erfolgt. Doch wie kann das zusammen passen? Die Erklärung ergibt sich aus der Grundhaltung der gesamten Medienwirtschaft. Egal, ob nun Zeitungen, Radio, Fernsehen, Musik oder Film: Zur Speerspitze der Internet-Entwicklung gehörte bislang keines dieser Medien. Im Gegenteil. Die meisten Netz-Engagements der Unterhaltungskonzerne muteten bisher eher konservativ an. Besitzstände und Marktanteile sollten gehalten werden. Der Kampf der Musikwirtschaft gegen die MP3-Raubkopierer im Internet ist das beste Beispiel dafür, dass die etablierten Unternehmen lange Zeit vor allem versuchten, das Unabänderliche aufzuhalten. Und genau das gleiche Szenario droht nun der Filmwirtschaft. Neue Technologien erlauben das Abspeichern ganzer Filme auf einer einzigen Computer-CD-ROM - fast ohne Qualitätseinbußen - und somit im nächsten Schritt die unkontrollierte Verbreitung über das Netz. Freilich steht diese Entwicklung noch am Anfang. Darum hat Kirch es nun auch in der Hand, nicht nur gegenzusteuern, sondern die Entwicklung zu formen. Denn dass die jetzt angekündigten Aktivitäten nur der Anfang sind, ist unzweifelhaft.

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