Wirtschaft : Medientycoon zeigt Interesse am Digitalsender Premiere World

Der internationale Medientycoon Rupert Murdoch verhandelt nach Informationen der "Financial Times" mit dem Münchener Medienunternehmer Leo Kirch über einen Einstieg beim Digitalsender Premiere World. Die Kirch-Gruppe erklärte dazu am Montag in München lediglich: "Es gehört nicht zu unseren Gepflogenheiten, dazu Stellung zu nehmen." Die Kirch-Gruppe führe mit Verschiedenen Gespräche, fügte der Sprecher hinzu. Unter der Regie von Kirch wurden Anfang Oktober die einstigen Konkurrenten beim Abonnentenfernsehen Premiere und DF 1 zu Premiere World verschmolzen.

Sowohl Kirch als auch Murdoch hätten ein stärkeres Interesse an einer Einigung als bei früheren Verhandlungen, schreibt das Londoner Finanzblatt am Montag. Kirch brauche Geld und Murdoch wolle seine Stellung im deutschen Fernsehmarkt stärken. Kirch und der australisch-amerikanische Medienunternehmer Murdoch hatten schon einmal beim Start der digitalen Pay-TV-Plattform DF 1 Mitte 1996 eine Allianz vereinbart, wobei sich Murdoch damals mit 49 Prozent beteiligen wollte. Diese Pläne wurden aber im März 1997 abgesagt.

Murdoch hat mit seiner News Corp ein weltweites Netz von Fernseh- und Rundfunksendern sowie Zeitungen aufgebaut. Die News Corp ist am größten britischen Pay-TV-Anbieter BSkyB beteiligt, der zuletzt über sechs Millionen Abonnenten zählte.

In Deutschland ist Murdoch mit dem Sender tm 3 vertreten, der mit der Fußball-Champions-League den Durchbruch in den Massenmarkt versucht. Außerdem hält er 49,9 Prozent am Privatsender Vox, der vom Bertelsmann-Konzern geführt wird, dem aber nur 24,9 Prozent gehören. Bis Anfang 2000 können sich die beiden Partner gegenseitig Kaufangebote vorlegen. Es wird damit gerechnet, dass Murdoch die Mehrheit übernehmen will.

Kirch besitzt neben Premiere Anteile an Sat 1 und DSF sowie Pro Sieben und Kabel 1. An der börsennotierten Pro-Sieben-Gruppe hat er gerade erst die Mehrheitsbeteiligung erworben. Damit gehört die Kirch-Gruppe mit geschätzten zwölf Milliarden Mark Marktwert zu den 15 größten Medienkonzernen der Welt. Rechnet man den im Jahr 2000 an den Start gehenden Nachrichtensender N 24 und Premiere World dazu, kommt die hierzulande führende TV-Gruppe auf einen deutschen Marktanteil von 26,2 Prozent, teilte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich in Potsdam mit.

Wegen seiner Bankschulden, die angeblich bei sechs Milliarden Mark liegen, soll Kirch aber Interesse an einer Finanzspritze durch den Einstieg der News Corp haben.

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