Wirtschaft : Medienwerte: Das Börsendrama bei den Filmhändlern

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Auch wenn die Stimmung am Neuen Markt im Moment durch die Bank weg trübe ist, trifft es eine Branche ganz besonders hart: Bei den Medienwerten sehen Anleger und Analysten zurzeit schwarz. Der einstige Börsenliebling EM.TV ist von 120 Euro im Februar auf unter sechs Euro abgestürzt. Die im SMAX notierte Cinemaxx AG veröffentlichte Anfang des Monats eine Gewinnwarnung wegen rückläufiger Besucherzahlen. Daraufhin brach der Aktienkurs ein, und auch die Senator Entertainment AG, die mit 25 Prozent an Cinemaxx beteiligt ist, rutschte ab.

Das ganze Segment ist in den Abwärtssog geraten. Der Nemax-Branchenindex Media & Entertainment bildete in den vergangenen Tagen oft das Schlusslicht, noch hinter dem Internet- und dem IT-Services-Index. "Medienwerte sind generell out. EM.TV war ein Schock für den Markt", sagt Bernard Tubeileh, Medienanalyst bei Merrill Lynch.

Spielfilme schwer loszuschlagen

Sehr stark nach unten gezogen hat es Filmlizenzhändler wie Senator, Constantin oder Kinowelt. Neben der allgemein schlechten Stimmung gibt es strukturelle Probleme: Spielfilme für das Fernsehen sind zurzeit schwer loszuschlagen. "Ein Trend zu Quiz-Shows und Doku-Soaps ist nicht von der Hand zu weisen", sagt Medienanalyst Alexander Kachler von Merck Finck.

Auch im Kinogeschäft kriselt es, Kassenschlager sind in diesem Jahr ausgeblieben. Zudem gibt es durch die Expansion der Multiplex-Kinos immer mehr Kinosessel in den Großstädten.

Den daraus resultierenden Verdrängungswettbewerb hat besonders die Senator Entertainment AG über ihre Beteiligung an der Multiplex-Kette Cinemaxx zu spüren bekommen. Der Cinemaxx-Verlust in zweistelliger Millionenhöhe wird das Ergebnis des Filmhändlers belasten. Anstatt eines geplanten Nachsteuer-Gewinns von 21 Millionen Mark wird Senator nach Schätzungen von Thomas Grillenberger von der Bayerischen Landesbank nur noch sechs bis acht Millionen Mark erzielen. Er hat daher die Aktie von "übergewichten" auf "neutral" zurückgestuft.

Das Bankhaus Sal. Oppenheim hat aus den gleichen Gründen die vorherige Kaufempfehlung für Senator zurückgenommen und rät jetzt zum Verkauf. Generell hält Analyst Christian Tilmann den im Frühjahr erfolgten Einstieg in die Kinokette jedoch für sinnvoll. "Das Kino ist nach wie vor die wichtigste Verwertungsstufe für den Verleiher. Je besser der Film im Kino läuft, desto besser funktioniert auch die Vermarktung auf den anderen Stufen."

Neben Senator betätigt sich auch die Kinowelt Medien AG als Kinobetreiber: Sie ist an der Kette Kinopolis beteiligt und erst Mitte November bei acht Multiplex-Kinos von Village Roadshow eingestiegen. "Der Einstieg ist rein strategisch, und nicht dazu da, um Geld zu verdienen", betont Bernard Tubeileh von Merrill Lynch.

Sorgen bereitet Kinowelt zurzeit ein Filmpaket, das es im vergangenen Jahr für 560 Millionen Mark vom US-Filmstudio Warner gekauft hat. Die privaten TV-Sender boykottieren die Filme, da sie in der Versteigerung von Kinowelt überboten worden sind. Nur an die öffentlich-rechtlichen Sender konnte bisher verkauft werden. "Kinowelt wird aus dem Paket wahrscheinlich keinen Gewinn erzielen", prognostiziert Tubeileh. Trotz allem hat er den Wert jetzt auf "kaufen" hochgestuft, da der Kurs "ausgebombt" sei. Alle schlechten Nachrichten seien enthalten. Zudem hält der Medienanalyst Kinowelt für einen "sehr attraktiven Kooperationspartner oder Übernahmekandidaten für ausländische Unternehmen". ABN Amro rät dagegen zum Verkauf, und die WestLB sieht Kinowelt als "Underperformer".

Constantin Film eine Ausnahme

Als eines der wenigen Glanzlichter in der Medienbranche wird die Constantin Film AG gehandelt. Commerzbank Securities, ABN Amro und DG Bank empfehlen zum "Kauf". Die Bayerische Landesbank hat den Wert mit "übergewichten" eingestuft. "Die Filme von Constantin liefen phantastisch im Kino. Das ist das erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte", sagt Thomas Grillenberger von der Bayerischen Landesbank. Zu den Constantin-Einkäufen gehörten unter anderem "American Pie" und "The Sixth Sense". Hinter dem Erfolg steht laut Grillenberger vor allem die langjährige Erfahrung des Vorstandschefs Bernd Eichinger. Außerdem sei das Unternehmen in Planung und Bilanzierung konservativ und zuverlässig.

Trotzdem ist der Kurs von Constantin mit in den Abwärtssog geraten. Und auch in Zukunft sehen Analysten die Medienbranche kritisch: "Der Kinomarkt wird schwierig bleiben", meint Christian Tilmann von Sal. Oppenheim. Bernard Tubeileh rechnet mit einer Konsolidierungswelle, aus der einige starke Spieler hervorgehen werden. "Kinowelt als Akquisitionspartner und Senator könnten überleben und von der Konsolidierung profitieren."

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