Wirtschaft : Medienwerte: Intertainment wird deutlich weniger verdienen

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Wer vor etwa einem Jahr in die Medienwerte des Neuen Markts investiert hat, ist heute ein deutlich ärmerer Mann. Denn vor allem bei den Titel dieser Branche scheint eine nicht enden wollende Talfahrt der Kurse stattzufinden. Der Ausverkauf betrifft nicht nur Größen wie EMTV sondern auch andere Jungunternehmen wie die Ismaninger Intertainment AG, die binnen eines Tages erneut rund ein Viertel ihres Börsenwerts eingebüßt hat. Weil der Filmrechtehändler für 2000 seine Umsatz- und Gewinnprognosen nach unten korrigieren musste, ist der Wert der Aktie auf zeitweise unter 16 Euro eingebrochen. Damit ist das Intertainment-Papier binnen eines Jahres auf nur noch gut ein Zehntel seines einstigen Werts gefallen. Ende 1999 wurde es für 130 Euro gehandelt. Trotz des Debakels sieht Intertainment-Chef und Hauptaktionär Rüdiger Baeres keinen Grund für eine strategische Korrektur.

Der auf große Kinofilme spezialisierte Rechtehändler durchlebe derzeit wie weite Teile der Branche eine Durststrecke, die er aber aus eigener Kraft überstehen werde. Zwar habe man die Umsatzprognose für das laufende Jahr von 290 Millionen Mark auf 170 Millionen Mark drastisch nach unten korrigieren müssen und erwarte auch für das Jahresergebnis vor Zinsen und Steuern statt 84 nur noch 60 Millionen Mark. Die fehlenden Beträge seien aber nur wegen Verzögerungen bei Verhandlungen und Filmlieferungen auf 2001 verschoben. Drei große US-Kinofilme, deren Lizenzrechte sich Intertainment bereits vertraglich gesichert habe, könnten von den US-Partnern nicht mehr rechtzeitig geliefert werden, um noch 2000 umsatzrelevant zu werden, sagte Baeres auf Anfrage. Zudem ringe man derzeit mit einem deutschen TV-Sender härter und länger als angenommen um ein großes Rechtepaket. Auch in diesem Fall ist sich der 58-prozentige Hauptaktionär aber sicher, dass der darauf entfallende Umsatz spätestens 2001 verbucht werden könne. Gefährdet sieht er den Deal nicht, dessen Größenordnung er verschweigt. 2001 würden wohl mehr als die zuletzt angenommenen 580 Millionen Mark Umsatz sowie 160 Millionen Mark Gewinn vor Steuern und Zinsen verbucht. Beim Kursverfall müsse fairerweise berücksichtigt werden, dass Intertainment dieses Jahr das Kapital erhöht und damit den Wert des Papiers halbiert habe, betont Baeres. Operativ fühlen sich die vor den Toren Münchens agierenden Filmhändler ohnehin gut aufgestellt. Die bestehende europaweite Vertriebsorganisation sei ein Wettbewerbsvorteil, mit dem man sich selbst gegen Größen wie die Kirch-Gruppe durchsetzen könne, meint Gerlach. Zudem habe die vor acht Jahren gegründete Intertainment in letzter Zeit einige große Rechtedeals abgeschlossen, die künftig diese Vertriebskanäle mit Geschäft füllen sollen. Hier zu Lande haben die Ismaninger, die bislang schuldenfrei wirtschaften und über 155 Millionen Mark liquide Mittel verfügen, aktuell den US-Spielfilm "Art of War" mit Wesley Snipes in den Kinos. Weder im Film noch an der Börse geben sie den Kampf trotz vieler Rückschläge schon verloren.

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