Wirtschaft : Medikamente werden 2005 teurer

Wirkung der Gesundheitsreform lässt nach/Arzneiverordnungs-Report: Ärzte könnten noch 4,5 Milliarden Euro einsparen

Maren Peters

Berlin - Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind in diesem Jahr zwar erstmals seit 1997 zurückgegangen. Allerdings befürchten Gesundheitsexperten, dass sie im kommenden Jahr wieder deutlich ansteigen könnten – und damit die geplante Beitragssatzsenkung gefährden. 2005 drohten möglicherweise sogar zweistellige Ausgabensteigerungen bei den Medikamenten, sagte Dieter Paffrath, einer der Herausgeber des Arzneiverordnungs-Reports 2004, bei der Präsentation am Freitag in Berlin. Die Regierung wies die Befürchtung zurück. „Wir gehen davon aus, dass noch Beitragssenkungspotenzial vorhanden ist“, sagte Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder. „Wir können noch unter die 14 Prozent kommen.“

Der Arzneiverordnungs-Report, der in diesem Jahr in der 20. Auflage erscheint, analysiert einmal jährlich, wie viele und welche Medikamente die Ärzte verordnen, wo sie noch sparen könnten und welche Auswirkungen das alles auf die Gesundheitskosten hat. Der Report gilt inzwischen als Standardwerk.

Die Autoren loben zwar ausdrücklich die kostendämpfende Wirkung der Gesundheitsreform, befürchten aber, dass die Wirkung schon 2005 verpuffen könnte. Im Zuge der Reform mussten die Hersteller und Großhändler den Krankenkassen höhere Rabatte einräumen. Ohne diese Rabatte in Höhe von insgesamt drei Milliarden Euro, so Mitherausgeber Ulrich Schwabe von der Universität Heidelberg, wären die Arzneimittelkosten aber nur um 1,1 Prozent zurückgegangen. 2003 sanken die Ausgaben der Kassen für Medikamente nur leicht um 235 Millionen Euro auf 21,1 Milliarden. Deutlicher war der Rückgang im ersten Halbjahr 2004, also nach Inkrafttreten der Gesundheitsreform: Die Ausgaben gingen laut Report um 1,4 Milliarden Euro zurück. Grund waren neben den höheren Arzneimittelrabatten auch die höheren Zuzahlungen der Patienten und die Herausnahme der rezeptfreien Arzneimittel aus der Erstattungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen.

Doch schon 2005, befürchten die Autoren, könnte die Wirkung der Reform verpuffen. Die geplante neue Festbetragsregelung für Medikamente, die die Zwangsrabatte ab dem kommenden Jahr teilweise ersetzen werden, könne den zusätzlichen Kostenschub nicht auffangen. Die Vorratskäufe seien dann aufgebraucht, die Preise würden wieder steigen.

Auch Stefan Etgeton vom Bundesverband der Verbraucherzentralen erwartet zum Jahresbeginn einen Preisschub bei Medikamenten. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Hersteller ihre Preise Anfang 2005 erhöhen werden“, sagte er, – „zum Beispiel, um das Niveau für Festbeträge in die Höhe zu treiben.“ Die neuen Festbeträge sollen ab dem kommenden Jahr die Kosten dämpfen. Außerdem läuft Ende 2004 das Preismoratorium aus, das den Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren Preiserhöhungen untersagte.

Der Arzneiverordnungs-Report lobt zwar, dass Ärzte sparsamer verordnen, sieht bei den Medikamenten aber immer noch ein Einsparpotenzial von 4,5 Milliarden Euro – einerseits durch die Verordnung von mehr wirkungsgleichen, aber im Vergleich zum Original billigeren Generika und andererseits von weniger Analogpräparaten. Das sind Mittel, die keinen therapeutischen Zusatznutzen gegenüber älteren, günstigeren Produkten bieten.

Der Arzneiverordnungs-Report zeige, „dass teure Arzneimittel viel zu oft ohne überzeugenden Grund eingesetzt worden sind, obwohl die Therapie gleich gut mit bewährten Standard-Arzneimitteln hätte durchgeführt werden können“, sagte auch Staatssekretär Schröder.

Die forschenden Arzneimittelhersteller sehen das naturgemäß anders. Viele notwendige und wirksame Medikamente würden wegen des politischen Drucks zur Kostensenkung nicht verschrieben, beklagte der Verbandschef Andreas Barner am Freitag. Besonders gesetzlich Versicherte seien von der Unterversorgung mit Medikamenten betroffen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben