Wirtschaft : Medizin für notleidende Aktien-Depots

Bernd Frank (Hb)

Kommt er oder kommt er nicht - der wirtschaftliche Aufschwung? Wer Aktien sucht, die von dieser Frage relativ unberührt bleiben und eher eine langfristige Perspektive versprechen, der sollte sich Pharmatitel anschauen. Favorit des Kölner Privatbankhauses Sal. Oppenheim ist Aventis, vor einigen Jahren aus der Pharmasparte von Hoechst und der französischen Rhône-Poulenc hervorgegangen. "Wir haben den Titel schon seit längerem als Outperformer eingestuft", sagt Analyst Peter Düllmann. Ein "deutlich überdurchschnittliches Ertragswachstum" - Düllmann rechnet mit mehr als 20 Prozent jährlich bis 2005 - mache die im Euro-Stoxx-50 notierte Aktie besonders attraktiv.

Die Prognose berge wenig Risiken, denn Aventis habe mehrere sehr gut laufende Ergebnisträger. Aventis selbst hatte jüngst ein gutes 2001er-Ergebnis (1,5 Milliarden Euro) vorgelegt und für die Jahre 2002 bis 2004 ein Ertragswachstum von 25 bis 30 Prozent jährlich in Aussicht gestellt. Düllmann sieht auch die Produkt-Pipeline mit bald zulassungsreifen Mitteln - unter anderem gegen Asthma und gegen Krebs - als gut gefüllt an. Er erwartet für 2002 ein Ergebnisplus von 30 Prozent, gegenüber 17 Prozent im Gesamtmarkt. Für den Pharmasektor insgesamt ist Sal. Oppenheim nicht so optimistisch. Er wird "neutral" gewichtet - wegen der Einsparungen im Gesundheitssektor und der Hoffnung, dass die Konjunktur sich erholt und dann zyklische Aktien besser abschneiden.

Die Schweizer Bank Julius Bär hat den Pharmabereich sogar untergewichtet. Der US-Markt stehe unter Druck, nachdem die Ausgaben in den letzten Jahren um knapp zehn Prozent pro Jahr in die Höhe gegangen seien, werde jetzt kräftig gespart. Zudem stünden etliche Patente vor dem Ablauf. Allerdings sieht auch Pharmaanalyst Oliver Kämmerer Aktien mit guten Kurschancen.

Die Berliner Schering, deren 2001er-Rekordergebnis und Ausblick vor einer Woche von den meisten Experten positiv aufgenommen wurden, zählt dazu. Die 2001 mit 13,8 Prozent noch relativ niedrige Marge beim operativen Gewinn werde sich in den nächsten Jahren auf rund 18 Prozent verbessern, schätzt Kämmerer. Zudem beschert der Verkauf des Unternehmens Aventis Crop Science den Berlinern im laufenden Jahr einen außerordentlichen Erlös von rund 1,5 Milliarden Euro, den sie auch für einen Firmenzukauf oder eine Beteiligung verwenden können. Umsatzstärkstes Medikament von Schering ist Betaferon (gegen Multiple Sklerose), das auch auf dem USMarkt inzwischen gut läuft. Zur Produktpalette zählt auch die Antibabypille Yasmin.

Andreas Schmidt von Merrill Lynch, der die Aktie als "starken Kauf" einstuft, lobt die konservative Bilanzierung. Die Kosten seien unter Kontrolle, die Erwartung des Vorstands auf ein zweistelliges Gewinnwachstum 2002 "absolut glaubwürdig". Eine "hervorragende Bilanz- und Finanzstruktur" und geringe Risiken bei Patentabläufen stellt Peter Spengler von der DZ Bank heraus.

Von den großen Schweizer Pharma-Konzernen erscheint Novartis als aussichtsreich. Der Konzern gilt als besonders gut in den USA aufgestellt. Benedikt von Braunmühl vom Bankhaus Metzler sieht zudem in der prall gefüllten Pipeline mit 28 Produkten in der Testspätphase ein großes Plus. Mit der Vorlage eines Rekordgewinns von gut sieben Milliarden Schweizer Franken für 2001 hatte Novartis kürzlich die Analystenprognosen übertroffen.

Wer in Deutschland investieren will, wird auch im M-Dax fündig. Altana glänzt mit starkem Gewinnwachstum. DZ-Bank-Analyst Spengler sieht nach dem bereits gut eingeführten Magenmittel Pantoprazol zwei aussichtsreiche Produkte gegen Asthma und Raucherhusten in den Jahren 2003/2004 vor der möglichen Zulassung. Aus diesem Grund ist Altana auch für Merrill Lynch trotz der hohen Bewertung ein "starker Kauf". Ein weiterer Favorit ist Stada. Der Hersteller von Generika (Nachahmerprodukten) profitiert von den Patentabläufen. Die Aktie stellt deshalb eine Art Risikopuffer für ein Pharmaportfolio dar. Der Generika-Markt birgt ein höheres Wachstumspotenzial als die Branche insgesamt, zumal in Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien die Nachahmerprodukte noch längst nicht so verbreitet sind wie in Deutschland. Experten sehen zudem durch die erwarteten Ausgabenbegrenzungen im Gesundheitswesen einen Verdrängungswettbewerb kommen - größere Generika-Anbieter wie Stada würden davon profitieren.

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