Wirtschaft : Mehdorn muss sich korrigieren

Die Bahn rechnet offenbar erst ab 2008 mit deutlichen Gewinnen/Durchbruch bei den Tarifverhandlungen

Bernd Hops

Berlin/Düsseldorf - Das unerwartet schwache Geschäft der Bahn im Fern- und Schienengüterverkehr wird den Konzern noch auf Jahre belasten. Bahnchef Hartmut Mehdorn muss seine Ziele deshalb deutlich zurückschrauben. Wie der Tagesspiegel am Mittwoch aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr, rechnet der Konzern jetzt damit, erst 2007 oder 2008 deutliche Gewinne zu schreiben und fit für einen Börsengang zu sein. Bisher hatte Mehdorn das Jahr 2006 vorgegeben. Der Bahnchef gerät deshalb verstärkt unter Druck. Dem Handelsblatt sagte ein Manager: „Konzernintern wächst die Kritik an Mehdorn.“ Nach Informationen des Handelsblatts will der Bahnchef ein milliardenschweres Sparprogramm auflegen.

Vor kurzem hatte die Bahn einräumen müssen, in diesem Jahr voraussichtlich nur ein Betriebsergebnis nach Steuern von rund 200 Millionen Euro zu erreichen. Geplant waren jedoch gut 300 Millionen. Und den Gewinn verdankt der Konzern vor allem einem „qualifizierten Ausgabenstopp“, der im Sommer verhängt worden war und Ende des Jahres ausläuft. In den kommenden Jahren sollte der Gewinn weiter deutlich wachsen. Ab 2006 sollte der Konzern dann reif für die Börse sein, obwohl die Bundesregierung den Börsengang, der für das erste Halbjahr 2006 avisiert war, im September vorerst abgesagt hatte. Kanzler Gerhard Schröder brachte daraufhin die Jahre 2007 und 2008 ins Spiel.

Doch bereiten der Bahn vor allem zwei Sparten große Probleme: der Fern- und der Schienengüterverkehr. Beide schreiben rote Zahlen. Zwar hat sich der Fernverkehr nach dem Debakel mit der Fahrpreisreform im Jahr 2003 wieder etwas erholt. Aber die Rückkehr in die schwarzen Zahlen dauert wesentlich länger als gedacht. Laut unternehmensnahen Kreisen ist damit erst nach 2006 zu rechnen. Dabei hat die Bahn großen Erfolg mit Billigfahrkarten. Von den 29-Euro-Tickets, die es diesen November wieder gibt, wurden bisher 355000 verkauft, sagte ein Bahnsprecher dem Tagesspiegel. Etwa 40 Prozent davon seien Neukunden gewesen.

Doch für die kommenden Jahre geht die Bahn nicht von einer wesentlichen Verbesserung der Geschäfte aus – weder im Fern- noch im Güterverkehr, hieß es in den Kreisen.

Deshalb muss der Konzern jetzt weiter kräftig sparen. Dabei nimmt Mehdorn die Zügel selbst in die Hand. Er überlässt die neuen Sparanstrengungen nicht länger den einzelnen Unternehmensbereichen. Statt dessen übernimmt die Konzernholding die Federführung. Die Optimierung der Kostenstrukturen sei ein „übergreifendes Thema“, heißt die interne Begründung für dieses Vorgehen. Die Sparmaßnahmen, die den Informationen des Handelsblatts zufolge nach kontroversen Diskussionsrunden vom Vorstand einvernehmlich verabschiedet worden sein sollen, betreffen die Bereiche Beschaffung – etwa neuer Züge – und Instandhaltung sowie die Überprüfung sämtlicher technischer und personeller Ressourcen. Darüber hinaus soll auch auf der Management-Ebene gespart werden.

Bei den Tarifverhandlungen, die am Mittwoch fortgesetzt wurden, drängte Mehdorn ebenfalls auf kräftige Einsparungen. Am späten Abend hieß es hierzu übereinstimmend von der Gewerkschaft Transnet und Mehdorn , es sei ein Durchbruch erzielt worden. Betriebsbedingte Kündigungen sollen danach für die Masse der Beschäftigten bis 2010 ausgeschlossen sein. Im Gegenzug sollen die Arbeitskosten bei der Bahn um 5,5 Prozent sinken, was durch längere Arbeitszeiten erreicht werden soll.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Albert Schmidt, sagte dem Tagesspiegel: „Wenn die Zahlen so stimmen, dann ist ein Börsengang reine Glaubenssache.“ Die Verkehrspolitiker fühlten sich in ihrem Zweifel an den bisher von Mehdorn vorgelegten Zahlen bestätigt. „Alles, was man bisher aufgeschrieben hat, ist offenbar blanke Illusion.“ Außerdem würden die Bemühungen zur Sanierung immer schwieriger.

Noch hält Mehdorn aber offiziell an der bisherigen Planung fest. Erst am 21. Dezember soll der Aufsichtsrat die neue mittelfristige Finanzplanung der Bahn genehmigen. mit ek (HB)

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