Wirtschaft : Mehdorn soll die Bahn länger führen

Aufsichtsratschef Müller bereitet offenbar neuen Vertrag vor, damit es keinen Wechsel vor der geplanten Privatisierung gibt

Bernd Hops

Berlin - Hartmut Mehdorn soll voraussichtlich bis zum Jahr 2012 an der Spitze der Deutschen Bahn bleiben. Aufsichtsratschef Werner Müller bereite eine Vertragsverlängerung vor, erfuhr der Tagesspiegel aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Das Kontrollgremium werde wahrscheinlich schon auf der nächsten Sitzung Ende März entweder darüber abstimmen oder zumindest eine Vorentscheidung treffen, hieß es. Es gebe im Aufsichtsrat eine sichere Mehrheit für den Vorschlag. „Derzeit gibt es dort keine Stimme, die das auch nur annähernd in Frage stellt“, sagte ein Insider. Ein Bahnsprecher sagte auf Anfrage, das Unternehmen kommentiere Personalfragen nicht, sie seien die Aufgabe des Aufsichtsrats. Das Bundesverkehrsministerium lehnte einen Kommentar ab.

Eigentlich läuft Mehdorns Vertrag im Frühjahr 2008 aus. Der Bahnchef wird im kommenden Jahr 65 – das ist die übliche, aber nicht zwingende Pensionierungsgrenze bei dem Unternehmen. Die geplante teilweise Privatisierung des Konzerns, auf die Mehdorn die Bahn durch milliardenschwere Zukäufe vorbereitet hat, wird aber frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2008 über die Bühne gehen. Wahrscheinlich wird es zu Verzögerungen wegen des schwierigen und langwierigen Gesetzgebungsverfahrens kommen. Eine erste Fassung eines Entwurfs für das Gesetz aus dem Bundesverkehrsministerium ist bereits auf Ablehnung bei der Union gestoßen. Derweil läuft das Geschäft der Bahn hervorragend. Sowohl beim Personenverkehr als auch beim Gütertransport konnte der Konzern im vergangenen Jahr zulegen.

Aufsichtsratschef Müller, ehemals Bundeswirtschaftsminister und heute Chef des Energie- und Chemiekonzerns RAG, favorisiere eine Vertragsverlängerung für Mehdorn gegenüber einer Neubesetzung, weil Investoren und auch Mitarbeiter eine neue Person an der Konzernspitze nur schwer einschätzen könnten. Das würde die angestrebte Privatisierung erschweren und Unruhe bei den Mitarbeitern verursachen, hieß es. Außerdem solle Mehdorn die Gelegenheit erhalten, den Erfolg eines Börsengangs im Amt zu erleben. Ansonsten würden ihm mit Sicherheit von einem Nachfolger alle Dinge angelastet, die schiefliefen.

Derzeit versuche Müller, für seinen Plan die politische Unterstützung durch die Bundesregierung zu sichern, denn die Bahn ist noch zu 100 Prozent im Bundeseigentum. Eine breite Diskussion des Themas habe es im Aufsichtsrat selber noch nicht gegeben, hieß es in den Kreisen. Vor der letzten Aufsichtsratssitzung Ende 2006 habe Müller zwar in einzelnen Gesprächen schon versucht, eine schnelle Entscheidung herbeizuführen, habe diesen Vorstoß dann aber zunächst aufgegeben.

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