Wirtschaft : Mehdorn will den Börsengang der Bahn nicht aufschieben

Bahnchef wehrt sich gegen die Skepsis in Bundestag und Bundesrat/Wirtschaft kritisiert Einschnitte bei Verkehrsinvestitionen

Bernd Hops

Berlin - Bahnchef Hartmut Mehdorn bleibt bei seinem Ziel, den Konzern bis 2005 kapitalmarktfähig zu machen. Ab dann könne der Bund die Bahn an die Börse bringen, wenn er denn wolle. Auch die jüngste Entscheidung des deutschen Bundestages habe nichts daran geändert, sagte Mehdorn am Wochenende in Berlin. Der Bahnchef bezeichnete den Parlamentsentschluss sogar als „positiven Einstieg“ in das Thema. Mehdorn stellte für dieses und das kommende Jahr einen operativen Gewinn im Konzern in Aussicht. Die Planung werde weitgehend eingehalten. Im Fernverkehr habe es zwar „einen schlechten Start“ gegeben, die Sparte sei aber „wieder fast im Plan“. Auch der hohe Benzinpreis habe hier geholfen.

Am vergangenen Donnerstag hatte der Bundestag einstimmig beschlossen, dass die Bahn, die noch zu 100 Prozent dem Bund gehört, vor einem Börsengang mehrere Jahre schwarze Zahlen schreiben muss. Außerdem forderten die Parlamentarier von der Bundesregierung, vor einer Grundsatzentscheidung über eine Teilprivatisierung der Bahn zu prüfen, wie mit dem Schienennetz verfahren werden soll. Die Abgeordneten bevorzugen bisher eine Lösung, bei der das Netz vor dem Börsengang aus der Bahn herausgelöst wird und im Bundesbesitz bleibt.

Mehdorn hält aber weiter daran fest, dass das Netz zusammen mit dem Konzern an die Börse gebracht wird. „Wir glauben, das nur eine integrierte Bahn erfolgreich ist“, sagte er. Alle Privatisierungsversuche von Bahnen ohne Netz seien international schlecht gelaufen.

Der frühestmögliche Zeitpunkt für ein Parkettdebüt wäre wegen der nötigen Vorbereitungen das Jahr 2006. Eine Verschiebung des Börsengangs hätte negative Folgen, warnte Mehdorn. „Ein börsennotiertes Unternehmen wird dynamischer“, sagte er. Außerdem werde die Bahn dann endlich als normales Wirtschaftsunternehmen behandelt. Bisher sei von Lieferanten, die höhere Preise durchsetzen wollten, schon mal zu hören, „holt euch doch das Geld von Herrn Eichel wieder“. Der Konzern brauche außerdem für die Zukunft mehr Eigenkapital, sagte Finanzvorstand Diethelm Sack. „Dafür steht nur der Kapitalmarkt als Quelle zur Verfügung.“ Vom Bund werde es wahrscheinlich keine zusätzlichen Mittel für Eigenkapital geben. Deshalb fiel Mehdorns Reaktion auf den Bundestagsbeschluss auch freundlich aus. Die Abgeordneten drängen darauf, dass die Einnahmen aus einem Börsengang in die Kassen der Bahn fließen sollen.

Mehdorn forderte, der Bund müsse sich vertraglich zu Infrastrukturzuschüssen in den kommenden Jahren verpflichten. In diesem Jahr wurden sie deutlich beschnitten. „Im letzten Jahr sind wird dafür verprügelt worden, weil wir nicht alles Geld nutzen konnten“, sagte Mehdorn. „Und in diesem Jahr müssen wir wieder Personal abbauen. Man kann ein Unternehmen nicht mit diesen Kürzungen führen.“ Unterstützung erhielt er am Wochenende durch die Wirtschaft. In einer gemeinsamen Erklärung appellierten 45 Verbände an die Regierung, die geplanten Kürzungen bei den Verkehrswegeinvestitionen zurückzunehmen.

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