Wirtschaft : Mehdorn wird doppelter Bahn-Chef Lothar Krauß rückt an die Transnet-Spitze

Carsten Brönstrup

Berlin - Bahn-Chef Hartmut Mehdorn soll bei der geplanten Teilprivatisierung sowohl den Mutterkonzern als auch die künftige Börsentochter führen. Für Finanzvorstand Diethelm Sack ist ebenfalls eine Personalunion auf beiden Ebenen vorgesehen. Das erklärte der Bahn-Vorstand nach einer Klausurtagung am Freitag in Berlin. Über die neue Struktur für die Privatisierung soll der Aufsichtsrat am kommenden Donnerstag entscheiden. Chefkontrolleur Werner Müller signalisierte bereits seine Zustimmung.

Das doppelte Mandat für Mehdorn und Sack soll nach dem Willen der SPD bis 2011 begrenzt werden, dann laufen die Verträge der beiden aus. An dem Doppelkonstrukt hatte es Kritik gegeben, weil damit trotz der formalen Trennung zwischen staatlicher Infrastruktur und privatisiertem Betrieb beide Bereiche aus einer Hand geführt würden.

Der Personen- und Güterverkehr wird dem Plan zufolge als DB Mobility Logistics AG ausgegründet, an der sich Investoren mit bis zu 24,9 Prozent beteiligen können. Die Bahn bestätigte, dass der zurückgetretene Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, zum Arbeitsdirektor des Mutterkonzerns bestellt werden soll. Auf dieser Ebene sind neben ihm, Mehdorn und Sack die bisherigen Konzernvorstände Otto Wiesheu (Politik und Wirtschaft) sowie Stefan Garber (Infrastruktur) vorgesehen. Der Führung der Börsensparte sollen neben Mehdorn und Sack die bisherigen Konzernvorstände Karl-Friedrich Rausch (Personenverkehr), Norbert Bensel (Logistik) und Margret Suckale (Personal) angehören. Für Suckale ist Hansens Berufung eine Zurückstufung, sie ist statt für 230 000 nur noch für 150 000 Menschen zuständig.

Aufsichtsratschef Müller erklärte, das Konzept sichere ein „Höchstmaß an Kontinuität“ und trage den Anforderungen des Kapitalmarktes Rechnung. Außerdem sichere es den internen Arbeitsmarkt und das Beschäftigungsbündnis.

Die Bahn-Gewerkschaft Transnet will auch nach dem Wechsel des bisherigen Vorsitzenden Hansen in die Konzernspitze die Teilprivatisierung unterstützen. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist“, sagte der designierte Chef Lothar Krauß am Freitag in Frankfurt am Main. Zuvor hatten sich die Gremien der Gewerkschaft auf den bisherigen Stellvertreter Hansens geeinigt. Der 52-Jährige ist SPD-Mitglied und seit 1996 in der Führung der 250 000 Mitglieder zählenden Gewerkschaft. 1972 begann er als Lehrling bei der Bahn. Krauß findet an dem Wechsel Hansens nichts auszusetzen. „Ich halte das für normal in der deutschen Wirtschaft und bin relativ stolz darauf“, sagte er. Carsten Brönstrup

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