Wirtschaft : Mehdorns Fragestunde

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Von Dieter Fockenbrock

Vom nächsten Jahr an will die Bahn dem Staat nicht mehr auf der Tasche liegen. Das verspricht Bahnchef Hartmut Mehdorn unverdrossen. Doch die Zweifel wachsen, ob die Prognosen des forschen Managers eintreten, ob der ehrgeizige Plan, das defizitäre Bundesunternehmen in wenigen Jahren sogar börsenfähig zu machen, gelingen kann.

Diese Debatte kommt zur Unzeit. Denn ausgerechnet jetzt muss der Finanzminister jeden Euro zusammenkratzen. Selbst rotgrüne Politiker, die Mehdorn lange Schonfrist gewährt haben, werden unruhig, weil immer neue Nachrichten und Gerüchte über sinkende Fahrgastzahlen, wachsende Betriebsverluste und den angeblich bevorstehenden Abbau von Arbeitsplätzen die Runde machen. Das hört sich nach mehr statt weniger Subventionen an.

Für den Bahnchef wird es deshalb an diesem Mittwoch ungemütlich. Die Experten aller Fraktionen erwarten im Verkehrsausschuss Antworten – und zwar klare und eindeutige. Welche Folgen hat die Einführung des neuen Preissystems fürs Geschäft, welche Korrekturen sind geplant? Wie reagiert die Bahn auf die Billigflieger-Konkurrenz? Welche Personalplanung verfolgt Mehdorn, um Kosten zu sparen? Kurzum: Welche Strategie fährt der Bahnchef eigentlich?

Mehdorn sollte die Gelegenheit nutzen, den Politikern die entscheidende Gegenfrage stellen: Soll er den Staatsbetrieb jetzt radikal auf Gewinn trimmen oder bleibt die Bahn ein Unternehmen, das dem Gemeinwohl verpflichtet ist und deshalb Nachteile auf der Kostenseite hinnimmt? Da sind ihm alle Parteien eine Antwort schuldig.

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