Mehdorns neuer Coup : Air Berlin führt die Holzklasse ein
23.05.2012 00:00 UhrVordergründig geht es um die Sitzplätze, die zu oft leer bleiben: Die ungeliebten Mittelplätze zwischen Fenster und Gang, die „eher hinten im Flugzeug“, wie es am Dienstag bei Air Berlin hieß. Die wolle man erfolgreicher verkaufen. Hinter dem Preismodell, mit dem die Gesellschaft das erreichen will, steckt aber mehr: Die strategische Neuausrichtung der angeschlagenen Fluggesellschaft. Air Berlin, ewig auf der Suche nach einem Image zwischen Billigflieger und Premium-Airline, soll nun endlich eine Fluglinie für alle werden.
„Wir benötigen Tarife für alle Zielgruppen“, sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung der neuen Tarifstruktur, die für alle Europa-Ziele gilt.
Statt wie bisher zwei gibt es ab sofort für alle ab dem 1. Juli buchbaren Flüge drei Tarife zur Auswahl: Es gibt weiterhin einen Standard-Tarif („Fly Classic“), mit dem man ab 98 Euro (hin- und rück) fliegen kann und an Bord einen Snack und ein Getränk erhält. Kunden können weiter kostenlos Gepäck aufgeben und auf jede gewünschte Art und Weise einchecken. Stornierungen sind aber nicht kostenlos möglich. Der bisherige Flex-Tarif, der sich vor allem an Geschäftskunden richtet, heißt nun „Fly Flex“ (ab 189 Euro). Dort sind Flüge kostenlos stornierbar, man kann den Sitzplatz bei Buchung frei wählen und erhält mehr Meilen.
Fotostrecke: Das Debakel um den neuen Hauptstadt-Airport, von dem auch Air Berlin betroffen ist:
Neu ist der Tarif „Just Fly“ mit dem Air Berlin nun gegen ähnliche Angebote von Ryanair und Easyjet um „preissensitive Kunden“ wirbt, wie es hieß. Ab 78 Euro kann man damit nur Hin- und Rückflug gemeinsam buchen, nur online einchecken und nur ein Handgepäckstück mitnehmen. Der Sitzplatz wird automatisch vom Buchungssystem zugeteilt – einen Kampf um die besten Plätze wie bei der Konkurrenz erspart Air Berlin seinen Kunden immerhin. Die müssen aber für wirklich jedes Extra draufzahlen: Jedes Gepäckstück, sogar die Plastiktüte aus dem Duty-Free-Shop, kostet mindestens 30 Euro extra. Eine Umbuchung ist nicht einmal gegen Geld möglich. Und zudem muss man mindestens zwei Nächte am Zielort verbringen.
































