Wirtschaft : Mehr als nur eine Drohgebärde

Martina Ohm

So wie Lufthansa es vormacht, bereitet man Kompromisse vor. Nach dem Rezept Zuckerbrot und Peitsche aus dem Handbuch der Tarifpolitik. Der jüngste Vorstandsbeschluss im Hause Lufthansa, in dem von Kündigungen und Kurzarbeit die Rede ist, hat die Gewerkschaften gehörig unter Druck gesetzt, in der nächsten Runde über Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich tatsächlich ernsthaft zu verhandeln. Anders als bei der Tarifauseinandersetzung mit den Piloten in diesem Frühjahr sitzt diesmal die Firma am längeren Hebel: Denn es geht nicht mehr um eine höhere Erfolgsbeteiligung in einem boomenden Unternehmen. Diesmal geht es um weniger Entlassungen in einem Konzern, der seit dem 11. September in einer Krisenbranche arbeitet.

Zwar steht Lufthansa heute noch besser da als die meisten anderen Fluggesellschaften. Und die Pleite von Swissair und Sabena beschert den Frankfurtern zusätzliche Nachfrage. Doch im Vergleich zum üblichen Geschäft fehlen jeden Tag 30 000 Passagiere, in der Kasse sind das Woche für Woche 100 Millionen Mark. Die Lufthansa-Ankündigung, dass man Beschäftigte abbauen werde, ist daher mehr als eine rituelle Drohgebärde. In Zeiten wie diesen unterschreibt kein Manager den Verzicht betriebsbedingter Kündigungen. Das freilich ist Bedingung der Gewerkschaften Verdi und Cockpit, bevor sie sich wieder an den Verhandlungstisch setzen wollen. Oder sollte man lieber sagen, war die Bedingung? Der Vorstandsbeschluss, der Kündigungen vorsieht, steht. Im Notfall scheut Konzernchef Weber auch teure Sozialpläne nicht. Jetzt müssen sich die Gewerkschaften bewegen.

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