Wirtschaft : Mehr Arbeit für die Jungen

Annäherung im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes

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Berlin - Im öffentlichen Dienst bahnte sich am Montag zumindest für Baden-Württemberg eine Lösung im Tarifstreit an. In Stuttgart verhandelten die kommunalen Arbeitgeber mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi über differenzierte Arbeitszeiten. Am Abend vertagten sich die Parteien auf den Dienstag. Nach achtstündigen Gesprächen zeigten sich beide Seiten verhalten optimistisch, den Streit um die Verlängerung der Wochenarbeitszeit durch eine Paketlösung beilegen zu können. Bestandteile könnten – neben dem Arbeitszeitvolumen – eine Übernahmegarantie für Lehrlinge sein sowie Freiräume für Weiterbildung oder mehr Lehrstellen. Im Gegenzug könnte die Arbeitszeit erhöht werden.

Dennoch setzte Verdi den Arbeitskampf fort. Nach Gewerkschaftsangaben waren 18 000 Mitglieder im Streik, davon die meisten in Baden-Württemberg und Niedersachsen. Das waren allerdings weniger als in der vergangenen Woche, als sich 35 000 an dem Ausstand beteiligten.

Die Arbeitgeber wollen die Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden erhöhen, Verdi sträubt sich mit dem Streik dagegen. Die Gewerkschaft befürchtet bundesweit den Verlust von bis zu 250 000 Stellen, wenn jeder 1,5 Stunden in der Woche länger arbeiten würde. Über das gesamte Erwerbsleben summiere sich das nach Verdi-Berechnungen auf zwei Jahre.

Vor den Gesprächen, die am Montagmittag in Stuttgart begannen, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, „der Durchbruch ist erwünscht“. Die „Gretchenfrage“ sei, wo man sich zwischen 38,5 und 40 Wochenstunden einpendeln könne. Als ein Modell gelten die Unikliniken in Baden-Württemberg. Dort arbeiten die Beschäftigten bis zum 40. Lebensjahr 39 Stunden, die 40- bis 55-Jährigen 38,5 Stunden und die Älteren 38 Stunden. Am Wochenende hatten Verdi-Chef Frank Bsirske und der Verhandlungsführer der Länder, Hartmut Möllring, Sympathie für diese Form der Arbeitszeitflexibilisierung gezeigt.

Neben den kommunalen Arbeitgebern ist Verdi mit den Bundesländern im Streit um die Arbeitszeit. Die Länder wollen – analog zu den Beamten, die je nach Bundesland bis zu 42 Stunden arbeiten –, auch die Arbeitszeit für ihre Arbeiter und Angestellten entsprechend anheben. Eine Verhandlungsrunde mit den Ländern ist für den 10. März vereinbart. alf

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