Wirtschaft : Mehr Arbeitslose und steigende Preise

Stillstand auf dem Arbeitsmarkt in Berlin-Brandenburg / 19 331 Jugendliche ohne Lehrstelle / 2,1 Prozent Inflation BERLIN/WIESBADEN (mot).Immer weniger Arbeitslose in Berlin und Brandenburg finden in das Berufsleben zurück.Zugleich gehen immer mehr Jugendliche bei der Suche nach einer Lehrstelle leer aus.Der Arbeitsmarkt werde zwar durch den Einsatz von Förderinstrumenten zur Arbeitsbeschaffung entlastet, der Spielraum der Arbeitsämter verkleinere sich aber kontinuierlich, erklärte der Präsident des Landesarbeitsamtes, Klaus Clausnitzer, am Dienstag.Ungeachtet der konjunkturellen Belebung könne keine Entwarnung für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt gegeben werden. Der sich abzeichnende Konjunkturaufschwung und der Optimismus der Unternehmen, die - so hofft man - nicht ohne Wirkung auf den Arbeitsmarkt bleiben, werden unterdessen von einer beschleunigten Inflation gedämpft.Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, lag die Inflationsrate im August bundesweit bei 2,1 Prozent (Juli: 1,9 Prozent).So stark waren die Preise seit Januar 1995 nicht mehr gestiegen.Im Osten Deutschlands und Berlins betrug die Teuerungsrate 2,4 Prozent - ein Minus von 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat.Begründet wird dies mit der im Vergleich zum Westen stärkeren Preissenkung saisonabhängiger Nahrungsmittel sowie dem geringen Gewicht der Heizölpreise.Verteuerte Kraftstoffe waren nach Auskunft der Statistiker Haupursache für den Preisauftrieb im Westen.Finanzminister Theo Waigel bezeichnete die Preise am Dienstag als stabil.Waigel teilte weiter mit, das Bruttoinlandsprodukt sei im zweiten Quartal 1997 im Vergleich zum Vorjahr um etwa zweieinhalb bis drei Prozent gestiegen.Trotz dieses erfreulichen Wachstums sei die Entwicklung am Arbeitsmarkt aber schlechter als erwartet. Landesarbeitsamts-Präsident Klaus Clausnitzer erklärte, die Zahl der Arbeitslosen habe sich zwischen Juli und August nur geringfügig reduziert, im Vergleich zum August 1996 seien in der Region aber 72 500 Menschen mehr ohne Beschäftigung.Damit waren Ende August insgesamt 489 500 Arbeitslose registriert.Die Arbeitslosenquote auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen nahm im Monatsvergleich leicht um 0,1 Prozent auf 16,6 Prozent ab, vor einem Jahr betrug sie 14,2 Prozent.Zugenommen habe die Arbeitslosigkeit bei den Dienstleistungsberufen, die besonders vom reduzierten Einsatz der Arbeitsmarkt-Instrumente betroffen seien.Die eingeschränkte Förderung sei auch Ursache für den für diese Jahreszeit geringen Rückgang der Arbeitslosigkeit, bilanzierte Clausnitzer.Arbeitssenatorin Christine Bergmann kritisierte, die Kürzungen seien kontraproduktiv.Jede eingesparte Mark müsse an anderer Stelle für Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe wieder ausgegeben werden. Nach Angaben Clausnitzers erweist sich der im Zuge der Arbeitsförderungsreform eingeführte Lohnkostenzuschuß als "hochattraktives Instrument", das sich in der Wirtschaft noch nicht herumgesprochen habe, inzwischen aber dennoch von rund 4000 Unternehmen genutzt worden sei.Das Arbeitsamt gewährt den auf ein Jahr begrenzten Zuschuß von monatlich 1923 DM Unternehmen aus bestimmten Branchen, die einen Arbeitslosen unbefristet einstellen.Wirtschaftssenator Elmar Pieroth rief am Dienstag insbesondere die Unternehmen im Ostteil der Stadt auf, die Lohnzuschüsse stärker zu nutzen.Insgesamt nahmen laut Landesarbeitamt im August 117 200 Frauen und Männer arbeitsmarktpolitische Instrumente (Kurzarbeit, ABM, Maßnahmen zur produktiven Arbeitsförderung, Qualifizierungslehrgänge, Altersübergangsgeld) in Anspruch.Dies waren in der Summe 65 800 Menschen weniger als vor einem Jahr. Im einzelnen weist die August-Statistik für Berlin 269 900 Arbeitslose (15,9 Prozent) aus, 31 800 mehr als im Vorjahr, 804 weniger als im Juli.In Brandenburg waren im Vormonat 219 600 (17,7 Prozent) Menschen ohne Arbeit, 40 700 mehr als im August 1996 und 641 mehr als im Juli. Unverändert schwierig gestaltet sich in der Region die Vermittlung von Ausbildungsplätzen: Insgesamt 19 331 Jugendliche hatten Ende August noch keine Lehrstelle gefunden, 6448 mehr als vor einem Jahr.In Berlin kommen zur Zeit auf 100 betriebliche Ausbildungsplätze 234 Bewerber, in Brandenburg sind es 306."Die Situation wird von Monat zu Monat schwieriger", sagte Clausnitzer.Trotz der 5300 mit öffentlichen Mitteln finanzierten Ausbildungsplätze in Berlin und Brandenburg geht Clausnitzer davon aus, daß deutlich mehr als 4300 Jugendliche (1996) zu Beginn des Ausbildungsjahres ohne Ausbildungsplatz sein werden.Gleichwohl empfahl er den Jugendlichen, den Mut nicht zu verlieren.Die Vermittlung im Rahmen der Sonderprogramme von Bund und Ländern sei angelaufen.Auch die Wirtschaft könne noch "mühelos zusätzliche Lehrstellen einrichten".

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