Wirtschaft : Mehr Aufträge für Ostfirmen

BERLIN (mo).Das Thema Marktzugang für ostdeutsche Produkte und Dienstleistungen bleibt auf der Tagesordnung.Mit einem Berliner Beschaffungsbuch soll öffentlichen wie privaten Einkäufern das aktuelle Angebot von Produzenten und Dienstleistern in Berlin wie in ganz Ostdeutschland vorgestellt werden.Initiator dieses Lieferantenverzeichnisses, das im Herbst im Rahmen einer Beschaffungskonferenz präsentiert werden soll, ist die Anfang 1997 gegründete Berliner Wegweiser GmbH, die vom Beauftragten der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BVS), Klaus von Dohnanyi, begleitet wird.Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz unterstrichen Dohnanyi und Rudi Geil, Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder, sowie Volker Hassemer, Vorsitzender der Geschäftsführung "Partner für Berlin", am Dienstag die besonderen Chancen des Regierungsumzugs für die ostdeutsche Wirtschaft.

1996 erhielten die ostdeutschen Unternehmen - die Zahlen von 1997 liegen frühestens im September vor - etwa 20 Prozent der Bundesaufträge; allerdings inklusive Telekom und Deutsche Bahn.Das entsprach, so Geil, einem Wert von 14,5 Mrd.DM.Für das letzte Jahr sei mit einem entsprechenden Anteil zu rechnen.Als Ausdruck ungebrochener Unterstützungsbereitschaft Bonns habe man übrigens auch die Absatzförderung für die ostdeutschen Firmen im neuen Haushalt mit 20 Mill.DM unverändert berücksichtigt.Als erfreulich bezeichnete Geil die jüngste Entwicklung des ostdeutschen Exportes, der im ersten Halbjahr um knapp 29 Prozent ordentlich zulegen konnte.Am gesamten deutschen Export erreichen die ostdeutschen Firmen allerdings lediglich schmale sechs Prozent.Vor diesem Hintergrund rief Geil die ostdeutschen Unternehmer dazu auf, sich schon heute, vor dem Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin, mit den künftigen Auftraggebern und mit den Regularien vertraut zu machen.

Allen voran die Auftragsberatungsstellen in den neuen Länder sind daran interessiert, daß der Osten tatsächlich von den "neuen Perspektiven Berlins" (Dohnanyi) profitieren kann.Allein der öffentliche Beschaffungsmarkt beträgt etwa zehn Prozent des Bruttosozialproduktes.Davon müssen die ostdeutschen Unternehmer nach Auffassung von Dieter Dutschke aus Magdeburg, Sprecher aller Auftragsberatungsstellen, künftig mehr profitieren.Es sei außerdem nicht damit getan, die bestehenden Regelungen zugunsten Ostdeutschlands zu verlängern.Sie müssen mit neuem Leben erfüllt werden, fordert Dutschke.Genau das hat sich auch von Dohnanyi auf seine Fahnen geschrieben.Auch er, seit der Wende in Sachen Aufbau Ost unterwegs, weiß: Nur drei der westdeutschen Bundesländer - Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen - haben die selbstgesteckte Zielmarke bei der Vergabe öffentlicher Aufträge an Ost-Unternehmer erfüllt.Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, hier wieder Terrain gutzumachen.

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