Wirtschaft : Mehr Bank, weniger Post

Die Postbank eröffnet einen neuen Filialtyp in Berlin – und will auch Strom und Lottoscheine verkaufen

Daniel Rhee-Piening

Berlin – Banken und Sparkassen erleben derzeit einen massiven Verdrängungswettbewerb beim Geschäft mit den Privatkunden, dem so genannten Retailbanking. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Postbank, Wolfgang Klein, stellte am Freitag schon die Frage zu stellen, ob es sich beim Retailbanking in Deutschland noch um ein Geschäftsfeld oder bereits um ein regelrechtes Schlachtfeld handele.

Um mitzuhalten, greift auch die Postbank in die Tasche und gestaltet ihre Filialen neu. Das Pilotprojekt eröffnete am Freitag in Berlin-Charlottenburg. Die Hauptstadt sei ausgesprochen interessant. Der Markt sei „rund um den Verkauf der Landesbank in eine Umbruchsituation gekommen, die wir für uns nutzen wollen“, sagte Klein.

Die Ausgangssituation ist gut. In Berlin leben rund vier Prozent der „bankfähigen“ Bevölkerung (ab 14 Jahre), mehr als acht Prozent der Kunden der Postbank sind bereits Berliner. In der Stadt bringt es die Postbank auf eine Reichweite (entspricht in etwa dem Marktanteil) von 18,3 Prozent und liegt damit hinter der Sparkasse auf Platz zwei. Allein in den vergangenen zwei Jahren konnte die Postbank in Berlin um 1,3 Prozentpunkte zulegen. Knapp eine halbe Million Berliner führen ihr Girokonto bei der Postbank, die 75 Finanzzentren mit rund 850 Mitarbeitern in Berlin unterhält. Dazu kommen knapp 300 Berater, überwiegend im mobilen Vertrieb. Insgesamt beschäftigt der Postbank-Konzern in der Stadt rund 2000 Mitarbeiter.

Bei den neuen Filialen wird, so Klein, weniger auf Marmor und Dekorationselemente als vielmehr auf die Funktionalität geachtet. Bankdienstleistungen würden dabei in den Vordergrund rücken, sagte der Filialvorstand der Postbank, Hans-Peter Schmid. Die Postbank müsse den unterschiedlichsten Interessen und Kundenansprüchen gerecht werden. So wollen die Besucher neben den typischen Bankprodukten eben auch ein Paket aufgeben, Briefmarken oder Schreibutensilien kaufen oder einen Handy-Vertrag abschließen. Schmid bezeichnete es als Besonderheit, „dass 90 Prozent unserer Besucher noch nicht Kunden der Postbank sind, sie kommen von anderen Banken und kommen wegen der Postdienstleistungen in die Filiale“. Dies sei aber auch eine Chance. Das postalische Geschäft solle zur Neukundengewinnung genutzt werden. Zudem will man in den neuen Filialen Tickets für die unterschiedlichsten Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet kaufen können. Hier arbeitet die Postbank mit Ticketcorner zusammen. In die gleiche Richtung zielt auch, das die Postbank in ihren Filialen künftig auch Lotto oder Strom sowie Produkte der Deutschen Telekom verkaufen will.

Die Postbank werde nun bundesweit zunächst acht Filialen des neuen Typs testen, sagte Schmid. Dazu gehören Standorte in Augsburg, Aachen, Garbsen bei Hannover, Konstanz und Regensburg. An zwei Standorten im Großraum München sollen neue Finanzcenter eröffnet werden. Von den insgesamt 855 Filialen sollen die am stärksten frequentierten innerhalb der kommenden drei Jahren neu gestaltet werden. Zu der Investitionssumme äußerte sich Schmid nicht.

Auch die Wartezeiten sollen sich verkürzen. „Unser Ziel ist es, innerhalb von fünf Minuten 93 Prozent unserer Kunden bedient zu haben“, sagte Schmid. „Aktuell liegen wir bei einem Wert von leicht unter 90 Prozent.“

Zum Geschäftsverlauf der Deutschen Postbank wollte sich Postbankchef Klein nicht konkret äußern, aber „unzufrieden sind wir nicht“. Wegen des starken Einlagengeschäfts sei sein Institut von der Krise an den Geldmärkten nicht betroffen. Schmid bekräftigte das Kundenziel für 2007. „Wir werden die Marke von einer Million Neukunden in diesem Jahr erreichen.“ Derzeit hat die Postbank rund 14,6 Millionen Kunden. Zahlen für das dritte Quartal will der Konzern am 9. November vorlegen.

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