Wirtschaft : Mehr Beschäftigung im kommenden Jahr

BERLIN (dr). In Westeuropa erholen sich Nachfrage und Produktion nach der konjunkturellen Flaute während des Winterhalbjahres 1998/99 allmählich. Nach dem jüngsten Monatsbericht des Münchener Ifo Instituts dürfte das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um real 1,75 Prozent und im kommenden Jahr sogar um zwei Prozent zunehmen. Allerdings sinke die Arbeitslosigkeit zunächst kaum. Die Arbeitslosenquote gehe im Jahresdurchschnitt in der EU nur leicht auf etwa 9,75 Prozent zurück. Erst vom Jahreswechsel an sei eine rascher steigende Beschäftigung in Sicht. Für Deutschland erwartet das Ifo im laufenden Jahr eine Arbeitslosenquote von 10,75 Prozent und im Jahr 2000 von 10,25 Prozent. Die Konsumentenpreise dürften um etwa 1,25 Prozent über dem Niveau von 1998 liegen.Die Inlandsnachfrage tendiere nach wie vor stetig aufwärts, zumal sich das Investitionsklima weiter verbessere, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Konjunkturreport. Hierzu trage insbesondere bei, daß sich beim Export, angeregt durch die Verbesserung des weltwirtschaftlichen Umfeldes und den kräftig gesunkenen Euro gegenüber dem US-Dollar ein Umschwung abzeichne.Im kommenden Jahr setze sich die konjunkturelle Erholung fort und gewinne an Breite, zumal Großbritannien und Italien zunehmend Anschluß an die gesamteuropäischen Entwicklung gewönnen. Die Inlandsnachfrage, vor allem aber die Ausfuhren, würden lebhafter expandieren als 1999. Zwar werde die Konjunktur weniger als noch im laufenden Jahr von der Wirtschaftspolitik stimuliert, aber die krisenhaften Entwicklungen in wichtigen Weltregionen seien dann wahrscheinlich weitgehend überwunden, und der Dollarkurs werde für die westeuropäischen Exporteure immer noch günstig sein. Das realen Bruttoinlandsprodukt dürfte dann um rund 2,5 Prozent zunehmen. Bei allmählich rascher steigender Beschäftigung dürfte die Arbeitslosenquote in der EU auf 9,25 Prozent zurückgehen. Die Inflationsrate bleibe mit etwa 1,75 Prozent moderat, zumal die Verteuerung von Rohöl und Industrierohstoffen mäßig sein werde und sich der Euro gegenüber dem Dollar etwas aufwerten werde.Der Überschuß der Leistungsbilanz Westeuropas halte sich mit etwa einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts stabil. Der private Konsum bleibe mit einer Zuwachsrate von 2,5 Prozent im Rhythmus der beiden Vorjahre nach oben gerichtet. Spürbar steigende Reallöhne, die zunehmende Beschäftigung, sowie die noch etwas sinkende Sparquote stützten die Konsumneigung, schreibt das Ifo Institut. Der öffentliche Verbrauch dürfte mit knapp 1,5 Prozent Zuwachs die Vorjahresgröße erreichen.Der Aufschwung werde bis weit in das Jahr 2000 hinein von der Wirtschaftspolitik stimuliert, sind die Wissenschaftler überzeugt. Dies gelte in erster Linie für die Geldpolitik. Die Finanzpolitik dürfte konjunkturneutral und in Teilen sogar anregend wirken. Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte komme insgesamt nur schleppend voran, obwohl die Zinsbelastung nochmals deutlich sinke.

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