Wirtschaft : Mehr Frauen auf dem Chefsessel

Die Zahl der weiblichen Führungkräfte steigt

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Berlin - Sie scheint Gehör gefunden zu haben, die immer lauter werdende Forderung nach mehr Frauen in Führungspositionen. Fast 28 Prozent der leitenden Positionen in privaten Unternehmen in Deutschland sind mit einer Frau besetzt – so viele wie nie zuvor. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. 1996 hatte der Frauenanteil noch bei rund 22 Prozent gelegen.

Allerdings, so schränken die Statistiker ein, schaffen es Frauen in erster Linie in kleineren Unternehmen in die Chefetage. Demnach ist in Betrieben mit bis zu 49 Beschäftigten mehr als ein Drittel der Führungspositionen mit einer Frau besetzt, in Betrieben mit 50 und mehr Mitarbeitern dagegen nur ein knappes Viertel. Hinzu kommt, dass die Statistik, die auf Grundlage des Mikrozensus erstellt wurde, nur diese beiden Unternehmensgrößen unterscheidet. Wie viele Frauen in großen Firmen wie den Dax-Konzernen leitende Funktionen wahrnehmen, lässt sich nicht differenzieren.

Erst kürzlich hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelt, dass die Vorstandsposten der größten 200 Unternehmen Deutschlands fast ausschließlich mit Männern besetzt sind. Der Frauenanteil liegt hier bei 3,2 Prozent. Bei den 100 größten Unternehmen und den Dax-Konzernen ist er mit 2,2 Prozent noch niedriger. Die Aufsichtsräte dagegen sind etwas weiblicher. Hier hat sich der Frauenanteil in den Dax-Unternehmen von 4,8 Prozent 2009 auf fast elf Prozent im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.

Experten fordern trotz des Anstiegs eine gesetzliche Frauenquote. „Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass es in den unteren Führungsebenen offenbar erheblichen Nachwuchs gibt“, sagte Elke Holst, Ökonomin am DIW. Das sei aber eher ein Argument für eine Frauenquote als dagegen. „Es gibt Frauen, die bereit sind, auch Top-Chefposten zu besetzen“, sagte Holst. Auch für die neue Chefin von IBM Deutschland, Martina Koederitz, ist eine Frauenquote von 25 oder 30 Prozent „kein Thema, denn wir würden sie erfüllen“, sagte sie dem „Handelsblatt“. Das bestätigt auch Henrike von Platen vom Frauenverband BPW: „Nach wie vor schaffen es die meisten Frauen nicht nach ganz oben. Deshalb brauchen wir die Quote, um die gläserne Decke zu durchbrechen.“ Das bestätigt auch DIW-Ökonomin Holst: „Deutschland bleibt beim Frauenanteil unter seinen Möglichkeiten.“

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erteilte einer gesetzlichen Frauenquote für Aufsichtsräte und Vorstände aber am Mittwoch eine Absage. „Mich überzeugen alle Argumente der Quotenanhänger – bis auf eines: dass die Konsequenz aus dieser Schieflage ein Zwangsinstrument sein soll“, sagte die FDP-Politikerin. Sie setze auf die ökonomische Einsicht und auf die Selbstregulierungskraft der Unternehmen. Jahel Mielke

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