Mehr Geld für Überweisungen und Girokonten : Wie die Banken Kasse machen

Weil sie im Zinsgeschäft nichts mehr verdienen, erhöhen viele Institute ihre Gebühren. Überweisungen werden teurer, das kostenlose Girokonto wackelt.

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n der Preisschraube drehen. Die Kreditinstitute suchen nach neuen Einnahmequellen.
n der Preisschraube drehen. Die Kreditinstitute suchen nach neuen Einnahmequellen.Foto: Christian Mller Fotolia

Kreditinstitute verdienen daran, dass Kreditkunden höhere Zinsen zahlen müssen als Sparer erhalten. Doch je niedriger das Zinsniveau insgesamt ist, desto stärker schmilzt die Marge. Gleichzeitig müssen Banken für ihre Einlagen (bei der Europäischen Zentralbank oder anderen Instituten) selbst Negativzinsen zahlen.

Für Verbraucher sind das schlechte Nachrichten. Denn sie erhalten nicht nur magere Zinsen auf ihre Einlagen, sondern werden immer öfter auch bei den Gebühren zur Kasse gebeten: Nach Jahren sinkender Kosten haben jetzt viele Institute ihre Gebühren erhöht oder wollen das tun. Die Finanzaufsicht Bafin hat dafür Verständnis. Gratis-Konten seien zwar für die Kunden attraktiv, entsprächen aber nicht der wirtschaftlichen Logik. Verbraucherschützer bemängeln, dass die Erhöhungen für die Kunden oft nur schwer erkennbar sind. Denn die Institute stellen Kontensysteme um oder verbinden neue Leistungen in Konto-Paketen mit neuen Preisen. So hat etwa das Konto „GiroKlassik“ der Sparkasse Leipzig einen günstig erscheinenden Grundpreis von 1,99 Euro pro Monat, doch kostet ab dem 1. April jede Buchung extra. Kunden der Sparkasse Mecklenburg-Vorpommern müssen neuerdings sogar für jede online ausgeführte Überweisung 20 Cent bezahlen.

Überweisungen kosten

„Vor allem das Geschäftsmodell von öffentlichen Kreditinstituten und Genossenschaftsbanken steht massiv unter Druck“, sagt Tobias Jacob Bertem, Sprecher der Sparda-Bank Berlin. Denn wegbrechende Erträge könnten diese Institute – anders als normale Geschäftsbanken – nicht mit Spekulationen wieder einspielen. Die Sparda-Bank Berlin mit etwa 515 000 Kunden in Berlin und den neuen Bundesländern hat bereits 2015 eine Jahresgebühr für die Giro-Karte eingeführt und verlangt seit dem vergangenen Jahr zudem 1,50 Euro für jede Überweisung in herkömmlicher Papierform. „Mittelfristig kann ich weitere Kostensteigerungen nicht ausschließen“, warnt Bertem. Auch bei den meisten anderen Kreditinstituten sind Überweisungs-Vordrucke auf Papier inzwischen nicht mehr kostenlos. Die Postbank etwa verlangt seit dem vergangenen April 99 Cent pro Stück.

Auch die Berliner Volksbank spart

Auch die Berliner Volksbank hat bereits eine Preisrunde hinter sich: Seit zwei Jahren gibt es das kostenlose Giro-Konto nur noch für die etwa 150 000 Genossenschafts-Mitglieder, für die 600 000 anderen Kunden jedoch nicht. Außerdem wurde für die Mitglieder die Dividende von vier auf drei Prozent gekürzt. Ob die drei Prozent zu halten seien, sei noch nicht klar, so ein Sprecher. Sollte die Niedrigzins-Phase noch länger dauern, werde man auch um weitere Preisrunden nicht herumkommen. Bisher sei aber nichts geplant. Laut Sparda-Sprecher Bertem kappen derzeit viele große Genossenschaftsbanken ihre Dividenden. Früher wurden bis zu sechs Prozent bezahlt. Inzwischen liege man meist bei zwei Prozent. Die Berliner Sparkasse hat nach eigenen Angaben auf Preiserhöhungen bisher verzichtet. Allerdings verlangt das Institut beim klassischen Girokonto sowohl für Papier-Überweisungen (1,90 Euro pro Stück) als auch für das Einrichten von Daueraufträgen (1,90 Euro) eine Gebühr. Kunden berichten nun davon, dass ihre Berater bereits Gebührenerhöhungen angekündigt hätten. „Die Berliner Sparkasse kann Preiserhöhungen für die Zukunft nicht ausschließen“, bestätigte Institutssprecherin Constanze Stempel.

Der Geldautomat wird teurer

Private Banken bitten vor allem fremde Kunden stärker zur Kasse. Einige Institute hatten zuletzt jene Vereinbarung gekündigt, nach der von anderen Kunden beim Abheben an EC-Automaten maximal 1,95 Euro verlangt wird. Sowohl bei der Deutschen Bank als auch bei der Commerzbank müssen Fremdabheber jetzt deutlich mehr zahlen.

Während Sparer und Kontoinhaber künftig mit höheren Kosten rechnen müssen, können Kreditnehmer und vor allem Firmen weiter mit sehr günstigen Konditionen kalkulieren. Europäische Unternehmen haben nach einer Studie der ING-Diba zwischen 2009 und 2015 rund 400 Milliarden Euro Zinsen bei Bankkrediten erspart, weil EZB-Chef Mario Draghi den Leitzins mit 0,05 Prozent nahe der Nulllinie hält.

Girokonto-Kunden, denen ihre Bank Gebührenerhöhungen angekündigt hat, sollten durchaus überlegen, die Bank zu wechseln, raten Verbraucherschützer. Einige Banken böten weiter kostenlose Kontomodelle, verfügten dabei aber meist nicht über ein Filialnetz. Wer seine Überweisungen jedoch nur online ausführe, könne hier profitieren.

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