Wirtschaft : Mehr Geld fürs lange Warten

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Von Flora Wisdorff

Fluggäste haben oft das Gefühl, dass sie keine Rechte haben: Gelegentlich mutet ihnen eine Fluggesellschaft zu, fünf Stunden auf einem Flughafen zu waren und bietet als Entschädigung ein BigMac-Meal von McDonalds an. Oder es kommt noch schlimmer: Man muss gleich bis zum nächsten Tag warten – und verpasst womöglich einen wichtigen Termin. Der Grund für die Verspätungen sind meist nicht die schlechte Wetterlage oder ein technisches Problem. Die großen Fluggesellschaften haben es sich zur gängigen Praxis gemacht, ihre Flüge zu überbuchen – um auch dann Geld zu verdienen, wenn Gäste ihren Flug verschieben.

Die EU will das jetzt teurer machen. Die Fluggäste sollen höhere Entschädigungen bekommen können, wenn die Unternehmen sie stehen lassen. Das ist richtig. Denn die EU trägt so dazu bei, dass für die Fluggesellschaften das Überbuchen unattraktiver wird. Die Kunden profitieren davon. Zwar droht die Lufthansa damit, die Ticketpreise zu erhöhen. Schließlich seien im vergangenen Jahr laut Lufthansa fünf Millionen Passagiere nicht auf ihren gebuchten Plätzen erschienen. 900000 Plätze konnten trotzdem noch verkauft werden. Nur zehn von 10 000 Fluggästen stünden vor dem vollen Flieger, sagt die Lufthansa. Das sind zehn zu viel.

Die Pläne der EU werden dennoch nicht dazu führen, dass Fliegen für die Kunden viel teurer wird. Denn die großen Carrier können es sich gar nicht leisten, die Preise zu erhöhen. Im Gegenteil, die starke Konkurrenz der Billigflieger zwingt sie dazu, ihre Preise zu senken. Dass die Lufthansa, British Airways oder Air France künftig überhaupt nicht mehr überbuchen, ist kaum anzunehmen. Aber die Richtlinie übt mehr Druck aus – und die geprellten Passagiere bekommen wenigstens mehr Geld fürs Warten.

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