Wirtschaft : Mehr Geld oder weniger Arbeit?

HEIKE JAHBERG

IG Metall-Chef Zwickel sitzt in der Falle.Die "neue Partnerschaft", die man in der anstehenden Tarifrunde mit Gesamtmetall erproben wollte, bringt den Gewerkschaftsführer schon jetzt in die Zwickmühle.

Denn das Angebot der Arbeitgeberseite ist verführerisch.Wenn die Ost-Metaller künftig automatisch die Lohnerhöhungen erhalten, die bei den West-Tarifverhandlungen erzielt werden, könnte man sich künftig die getrennten Tarifgespräche ersparen.Und: Die Ost-Beschäftigten könnten sich über einen warmen Regen freuen.Denn den Betrieben im Westen geht es gut, viele von ihnen erzielen Rekordgewinne.Klaus Zwickel hat keinen Zweifel daran gelassen, daß für ihn nun das Ende der Lohnbescheidenheit erreicht ist.Zum dritten Mal in Folge sinken in diesem Jahr die Lohnstückkosten.Mit einem kräftigen Aufschlag von bis zu sechs Prozent will die Metall-Gewerkschaft ihren Mitgliedern nun ein ordentliches Stück vom Kuchen sichern.Selbst wenn man unterm Strich bei vier Prozent landet, die Beschäftigten könnten zufrieden sein - auch die Ost-Kollegen.

Doch natürlich hat die Sache einen Pferdefuß.Denn die automatische Tarifkoppelung gibt es nur dann, wenn die Gewerkschaft eine ihrer heiligen Kühe schlachtet - weitere Arbeitszeitverkürzungen.Von der 32-Stunden-Woche im Westen ist Zwickel bereits abgerückt, doch zumindest die 38-Stunden-Woche im Osten sollte fallen.Genau dieses versuchen die Arbeitgeber nun abzubiegen.Wohl mit Erfolg.Denn anders als im Westen haben viele Betriebe im Osten immer noch mächtig zu kämpfen.35-Stunden-Woche plus Lohnerhöhungen - das dürften nur wenige verkraften.Und ob die Beschäftigten notfalls für diese Ziele streiken würden, ist zweifelhaft.Vor die Alternative, weniger Arbeit oder mehr Geld gestellt, dürften auch im Osten zur Zeit die meisten sagen: Her mit der Knete.

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