Wirtschaft : Mehr gewollt und viel verloren

STIFTEN GEGANGEN

Im Morgengrauen des 14. Februar ging Klaus Zumwinkels glanzvolle Karriere abrupt zu Ende. Staatsanwälte waren angerückt, filzten die Villa des Post- Chefs und nahmen ihn mit aufs Revier. Der Vorwurf: Er soll eine Million Euro Steuern hinterzogen haben. Fast geräuschfrei („Ich bin immer gleich temperiert“), aber sehr erfolgreich hatte Zumwinkel aus der Ex-Behörde Post einen weltumspannenden Logistiker geformt. Sein Gehalt, zuletzt pro Jahr 4,2 Millionen Euro, wollte er offenbar vor dem Fiskus schützen und transferierte viel in eine Liechtensteiner Stiftung. Schon im Dezember hatte er ein besonderes Verhältnis zum Geld offenbart: Er trennte sich von Aktienoptionen für 4,7 Millionen Euro – just nachdem die Koalition den Post-Mindestlohn beschlossen und der Aktie Gelb hohe Kursgewinne beschert hatte. Dabei galt Zumwinkel schon vor seiner Karriere als vermögend: 1971 verkaufte er die elterliche Handelskette.

MIT LUST BEI DER ARBEIT

„Ein Anruf genügt“, ließ Klaus Volkert mitunter wissen, „und der Firmenflieger steht für mich bereit“. Da war der gelernte Schmied noch Chef des VW-Konzernbetriebsrats, der mächtigste Arbeitnehmervertreter im Land. Doch das reichte ihm nicht, er wollte wie ein echter Manager behandelt werden – auch beim Gehalt. Knapp zwei Millionen Euro Sonderzahlungen ließ ihm VW-Personalchef Peter Hartz über die Jahre zukommen, zusätzlich zu Bordellbesuchen und Luxusreisen. Obendrein ließ er die Geliebte Volkerts durch VW aushalten. 2005 flog das Bestechungssystem auf – Volkert muss nun für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

SHAREHOLDER VALUE

So richtig nach oben schoss der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie erst, als Jürgen Schrempp Ende Juli 2005 überraschend seine Demission als Konzernchef ankündigte. Seit Jahren hatte er seine Welt-AG, vor allem die Firmenehe mit dem US-Autobauer Chrysler, unter die Maxime des Shareholder Value gestellt – die Aktie war an der Börse aber lange Zeit so beliebt wie Fußpilz. Von der Bekanntgabe der Fusion bis zu Schrempps Abgang hatte sie drei Viertel ihres Wertes eingebüßt. Doch Schrempp hatte sich ein üppiges Paket von Aktienoptionen schnüren lassen, das ihm nach seinem Ausstieg einen potenziellen Gewinn von mehr als 50 Millionen Euro beschert hat. Reden mag der Manager aber nicht gern darüber.

SILVESTER-KNALLER

Es war eine tolle Party an Silvester 2001 im Berliner Adlon. Mit dabei: Ernst Welteke, Präsident der Bundesbank, und seine Frau. Bezahlt hatte den Aufenthalt indes die Dresdner Bank. Nicht so beim Formel-1-Rennen in Monaco 2003, hier war BMW der generöse Spender. Im April 2004 flog die Affäre des Mannes auf, der schätzungsweise 300 000 Euro im Jahr verdiente – und Welteke musste zurücktreten. brö

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