Wirtschaft : Mehr Güter auf der Schiene

Vor allem im grenzüberschreitenden Verkehr legt die Bahn zu und profitiert von der Lkw-Maut

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Berlin – Der Güterverkehr auf der Schiene hat im vergangenen Jahr zugenommen. Von Januar bis September 2004 stieg das Volumen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,2 Prozent auf 230 Millionen Tonnen. Das Plus geht vor allem auf den stark wachsenden grenzüberschreitenden Verkehr zurück. So wuchs der Güterversand ins Ausland im Vergleich zum Vorjahr um 12,4 Prozent. „Der Schienengüterverkehr wird vor allem auf langen Strecken gegenüber Straße und Schifffahrt wettbewerbsfähiger“, erklärte Stephan Anemüller, Sprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Gut zehn Jahre nach dem Start der Bahnreform gebe es einen zunehmenden Preisdruck unter Eisenbahnunternehmen.

Die deutschen Güterbahnen sind überwiegend klein und mittelständisch organisiert. Nach Angaben des VDV gibt es derzeit 230 nicht-bundeseigene Eisenbahnen mit Konzessionen für den Güterverkehr. Zwar wird der Markt nach wie vor mit rund 92 Prozent durch die Bahn-Tochter Railion dominiert. Doch legen die Wettbewerber bei Aufkommen und Leistung zu. So wuchs das Tonnenaufkommen (Tonnage) bei dem Berliner Eisenbahnunternehmen Connex „um deutlich mehr als 2,2 Prozent“, sagte ein Sprecher. Entscheidend für das Wachstum sei ein Netzwerk von Fernverbindungen. So kooperiert Connex – wie andere private Eisenbahnunternehmen auch – mit staatlichen und privaten Bahnen im In- und Ausland. 2003 transportierte die Tochter der französischen, börsennotierten Gesellschaft Veolia Environnement nach eigenen Angaben 5,3 Millionen Tonnen.

Den internationalen Güterfluss über die Schiene hemmt nach Aussage von Rüdiger Ostrowski, Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Nordrhein, aber nach wie vor die Vielzahl an verschiedenen Spurbreiten, Lokomotivlizenzen und Signalsystemen. Besonders kleine Firmen hätten damit zu kämpfen, sagte Ostrowski dem Tagesspiegel.

Mittel- und langfristig werde der Schienengüterverkehr auch von der Lkw-Maut profitieren, sagte VDV-Sprecher Anemüller. Derzeit werden in Deutschland noch 70 Prozent aller Güter über die Straße transportiert. Die Schiene hat einen Anteil von 15 Prozent, auf Wasserwege entfallen vier und auf Rohrleitungen drei Prozent. Zu ersten Verschiebungen kommt es bereits: So verlagert die Deutsche Post-Tochter DHL 130000 Tonnen ihres Gütertransports auf die Schiene. Dafür schloss der Logistikkonzern diese Woche ein Kooperationsabkommen mit dem Eisenbahnunternehmen TX Logistik aus Bad Honnef.

Stärker noch als die Tonnage erhöhte sich in den ersten neun Monaten 2004 die Transportleistung: Sie stieg um acht Prozent auf 64 Milliarden Tonnenkilometer. Dass die Transportleistung mehr zulegt als die Tonnage, liegt daran, dass der internationale Güterverkehr stärker wächst als der Binnenverkehr. Dieser ging um 1,6 Prozent zurück. Experten machen hierfür die schleppende Konjunktur verantwortlich.Tanja Kewes

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